Yasar Kemal

Gut geflunkert, Zilo!

(Ab 10 Jahre)
Cover: Gut geflunkert, Zilo!
Pro Juventute Verlag, Zürich 2002
ISBN 9783715204642
Gebunden, 112 Seiten, 12,90 EUR

Klappentext

Aus dem Türkischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Nevfel Cumart. Die 12jährige Zilo weiss eigentlich genau, dass sie nicht klauen sollte. Aber was tun, wenn der Hunger sich schmerzhaft meldet, wenn sie Schuhe braucht und einen Rollkragenpullover gegen die Kälte? Und ist es nicht gut, dass Zilo dem kleinen Mädchen auf dem Platz vor der Moschee hilft, das ständig friert? Spielt es denn eine Rolle, ob das Geld fürs Notwendigste geklaut war oder nicht? Und darf Zilo nicht auch ein bisschen stolz sein darauf, dass sie so erfolgreich flunkern kann? Zwar hat Zilo den Koran geküsst und geschworen, dass sie nicht mehr stehlen wird, doch diesen Schwur kann sie vorübergehend aufheben, wenn sie ein Stück Brot über dem Kopf bricht. Und lügen, das tun doch alle, die Polizisten am allermeisten. Das kurdische Strassenmädchen Zilo hat da Erfahrung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.05.2002

Christina Thurner stellt mehrere Jugendbücher vor, die sich das Austesten der bestehenden "Normalfelder" zum Ziel gesetzt haben. Denn Normalität, zieht Thurner den Diskurstheoretiker Jürgen Link heran, sei in unserer Gesellschaft keine feste Größe mehr, sondern eine "gesellschaftlich operative, eine graduelle Kategorie" - normal sei alles, was als nicht besonders störend empfunden wird. Sehr positiv äußert sich Thurner über dieses Buch des türkischen Autors Yasar Kemal, das mit einer Mischform von Erzählung und Interview arbeitet. Im Mittelpunkt steht die 14-jährige Zilo und ihr Leben in Armut und sozialer Ausgrenzung, von dem ein erwachsener Ich-Erzähler berichtet. Auch hier zeigt sich, so Thurner, dass Normalität eine Frage der Perspektive ist. Zilo habe teilweise Erschütterndes zu berichten, daneben stünden kleine alltägliche, auch anrührende Erlebnisse. Durch die dialogische Struktur des Buches - Interview und Bericht - gelänge es dem Erzähler, dem Mädchen und seiner Welt stets mit Respekt zu begegnen, dabei weder seinen Lügen aufzusitzen noch seine Geheimnisse preiszugeben.
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