Aus dem Türkischen von Johannes Cassar. Im April 1999 erschien in der Türkei "Mehmets Buch". Es enthält 42 Protokolle türkischer Wehrpflichtiger ("Mehmets"), die ihren Militärdienst in der Südosttürkei ableisteten und in dem seit 16 Jahren andauernden Krieg gegen die PKK eingesetzt wurden. Die jungen Veteranen erzählen im Schütze der Anonymität mit bestürzender Offenheit von der Brutalität des Krieges, ihren Traumata, und davon, wie der Krieg aus ihnen andere Menschen gemacht hat. "Mehmets Buch" avancierte in der Türkei innerhalb weniger Wochen zu einem Bestseller. Im Juni 1999 wurde es verboten und die Autorin, die 51-jährige Istanbuler Journalistin Nadire Mater, wegen Beleidigung der Armee angeklagt. Ihr drohen nun bis zu zwölf Jahre Haft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2001
Eine in der Türkei ausgesprochen wichtige Veröffentlichung ist dieser Interviewband von Nadire Mater in den Augen des Rezensenten Franz-Josef Ros. Das Buch enthält Interviews, die die Autorin mit türkischen Wehrpflichtige geführt hat, die ihren Dienst "im Frontgebiet gegen die PKK" ableisteten und die von erschütternden Zuständen in der Institution berichten, so Ros. Dabei widersprechen die Interviewten dem offiziellen Image der Armee ganz deutlich und werfen einen kritischen Blick auf das Demokratieverständnis der türkischen Armee und damit auch des Staates. Dem deutschen Leser bringt das Buch nach Meinung des Rezensenten jedoch recht wenig, da ihm viel an Hintergrundwissen fehlt, das für das Verständnis der Aussagen aber Voraussetzung ist. Eine Hilfestellung für den Leser versuche ein zehnseitiges Glossar zu geben, aber diesen Anhang nennt Ros "eher eine Zumutung als eine Hilfe". Er vermisst eine Einführung in das Thema und eine Darstellung des historischen Hintergrunds.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.09.2001
Nadire Mater hat für ihr Buch 42 türkische Wehrdienstleistende interviewt, die in kriegerische Auseinandersetzungen mit der PKK geraten waren. Die Interviews veranschaulichen, so der Rezensent Günter Seufert, das "Ineinander von Geschlechterrollen und militärischer Disziplin". So gehöre zu der Biografie eines jeden Türken noch immer der geleistete Wehrdienst. Dieses traditionelle Bild sei aber nur schwer mit den Ausführungen der Interviewten in Einklang zu bringen, deren Schilderungen oftmals ein Bild von "mentaler Hilflosigkeit" vermittelten und den eigentlichen Eintritt in das Mannesalter als von tiefer Entfremdung überschattet darstellten. Günter Seufert resümiert, dass sich das Buch nicht nur als Kritik türkischer Zustände lesen lasse, sondern überdies den Krieg als "das Ergebnis einer in Ideologie gekleideten Lüge" beschreibe.
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