Winfried Schröder

Moralischer Nihilismus

Typen radikaler Moralkritik von den Sophisten bis Nietzsche
Cover: Moralischer Nihilismus
Frommann-Holzboog Verlag, Stuttgart-Bad Cannstatt 2002
ISBN 9783772822322
Gebunden, 280 Seiten, 56,00 EUR

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.12.2002

Winfried Schröders Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken der Moralkritik hat Rezensent Jürgen Busche durchaus überzeugt. Schröder zeigt nach Ansicht Busches auf "brillante Weise" wie klein der moralische Fortschritt in der Philosophie seit Sokrates in Wirklichkeit ist. In der Kritik stehen das Christentum ebenso wie Marx und Engels, der Marquis de Sade und Friedrich Nietzsche. Schröders Aburteilung Nietzsches erscheint Busche allerdings etwas zu leichtfertig: "Wer einen Löwen mit der Brennschere erledigt", kommentiert er, "ist auf den wirklichen Löwen vielleicht gar nicht gestoßen." Am besten gefällt dem Rezensent Schröders Beschäftigung mit Platon und den Sophisten. "Schön" und "einleuchtend" findet er Schröders Rehabilitierung der Sophistik, "überzeugend" seine Interpretation des Dialogs "Gorgias" von Platon. "Glänzender Stil und luzide Argumentation", resümiert Busche, "machen die Lektüre zu einem begeisternden Vergnügen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2002

Winfried Schröders Analyse über den moralischen Nihilismus, jene Denkrichtung, die mit Thrasymachos' "Apologie der Ungerechtigkeit" begann und von den "Meisterdenkern" des 19. Jahrhunderts Kierkegaard, Nietzsche, Marx und Engels fortgesetzt wurde, hat Michael Pawlik weitgehend überzeugt und gut gefallen. Denn der Autor setze, freut sich der Rezensent, gerade "neueren Interpreten" der Werke von Marx und Engels entgegen, dass diese alles andere als "Propheten einer Moral der Wohlanständigkeit" waren, sondern vielmehr dem Typus des moralischen Nihilisten entsprachen, deren Prototyp letztlich Autor wie Rezensent im Fundamentalisten gegeben sehen. Gleichermaßen nachvollziehbar kläre Schröder den Leser darüber auf, so Pawlik, dass der späte Nietzsche kein geistiger Pionier einer "Moral der Selbstbestimmung" gewesen sei. So gelungen und wasserdicht der Rezensent diese Demontage der "Meisterdenker" findet, so enttäuscht ist er aber auch, dass der Autor auf Thrasymachos' "suberversive Attacken" nicht weiter eingegangen ist und den Leser mit einem "zwiespältigen Eindruck" über diesen Denker zurücklasse.
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