Willy Brandt

Berliner Ausgabe, Band 7: Mehr Demokratie wagen

Innen- und Gesellschaftspolitik 1966-1974
Cover: Berliner Ausgabe, Band 7: Mehr Demokratie wagen
J. H. W. Dietz Nachf. Verlag, Bonn 2001
ISBN 9783801203078
Gebunden, 684 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Im Auftrag des Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung herausgegeben von Helga Grebing, Gregor Schöllgen und Heinrich A. Winkler. Bearbeitet von Wolther von Kieseritzky. In drei großen Abschnitten entsteht ein Panorama des politischen und gesellschaftlichen Geschehens der Jahre 1966-1974: Die Große Koalition von SPD und CDU 1966-1969; die sozialliberale Koalition von SPD und FDP ab 1969; und schließlich die Zeit nach dem Wahlsieg im November 1972, als die Erosion der Macht des Kanzlers einsetzte: Ob es die Regierungsbildung ist, die Auseinandersetzung mit den Interessengruppen um die richtige Wirtschaftspolitik, der Schock durch die "Ölkrise" mit dem Sonntagsfahrverbot, Konflikte innerhalb der SPD - der Kanzler ist in der Defensive. Die Quellen vermitteln einen Eindruck vom Ringen Brandts um die Gestaltung der Politik, sie offenbaren aber auch bittere Enttäuschungen bis hin zum Rücktritt 1974, der durch seine persönlichen Aufzeichnungen und Gedanken dokumentiert wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.04.2002

Petra Weber lässt angesichts dieses Bandes mit Briefen, Notizen, Reden und Interviews von Willy Brandt dessen innenpolitische Stellung noch einmal Revue passieren. Sie findet in den Texten die Schlagworte wieder, mit denen Brandt die deutsche Politik und Gesellschaft reformieren wollte: "Neue Mitte", "mehr Demokratie wagen", die "mündige Gesellschaft". Der Band demonstriert allerdings auch, dass das Verhältnis Brandts zu seinem Koalitionspartner von Anfang an gespannt war, weil die FDP in vielen Reformplänen die "Bremserrolle" übernahm, wie die Rezensentin darlegt. Dass hinter vielen Querelen Brandts mit der Opposition und mit den Parteikollegen auch "persönliche Animositäten" standen, darüber erfahre man allerdings aus dieser Textauswahl nichts, bedauert die Rezensentin. Auch auf die Frage, inwieweit Herbert Wehner für den Rücktritt des Kanzlers 1974 mitverantwortlich war, gibt der Band auch in der Einleitung durch den Herausgeber keine Auskunft, bedauert Weber. Ansonsten lobt sie aber die "sehr informative" Einleitung Wolther von Kieseritzkys.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.12.2001

Eigentlich hatte Klaus Harpprecht (selbst einst Vertrauter WBs) geglaubt, so ziemlich alles über Willy Brandt zu wissen. "Eine fromme Täuschung." Die Lektüre von Brandts Reden, Interviews und Aufzeichnungen, so Harpprecht, stecke auch einem Weggefährten des Kanzlers noch "dieses und jenes Licht" auf. Zum Beispiel in puncto "Guillaume". Der Abstand der Jahre rückt dem Rezensenten da den ein oder andren Skandal "ins grelle Licht des Bewusstseins", im wesentlichen zu Gunsten Brandts übrigens. Oder wenn es um Brandts Verzweiflung und vermeintliche Selbstmordabsichten geht. In diesem Zusammenhang stellt Harpprecht allerdings fest, wie sehr das Gestaltungsprinzip der Ausgabe (deren siebter Band hier besprochen wird) seinen Tribut fordert: Der "Übermacht der Schatten", wie Harpprecht es nennt, in diesem, die Innen- und Gesellschaftspolitik behandelnden Band, stehe der "Glanz der außenpolitischen Leistungen" gegenüber.