Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Andrea Stumpf. Die Bewohner von Gravesend, einem italienischen Arbeiterviertel in Brooklyn, verbindet ein Fluch, der unter Amerikanern weit verbreitet ist: die unerfüllte Hoffnung, ihr Leben für ein besseres Leben einzutauschen. 1986. Risa Franzone lebt mit ihrem gewalttätigen Ehemann Saverio und ihrem acht Monate alten Baby Fabrizio in einer Erdgeschosswohnung in der Saint of the Narrows Street. Als ihr betrunkener Ehemann eine Wa e auf den Tisch legt und ihre Schwester Giulia bedroht, schlägt Risa ihn, außer sich vor Wut, mit einer gusseisernen Pfanne nieder. Tragischerweise schlägt Sav beim Sturz mit dem Kopf auf einen Tisch auf und stirbt. Die Schwestern stehen vor der Entscheidung die Cops zu benachrichtigen und Notwehr geltend zu machen oder die Leiche des Mannes verschwinden zu lassen. Risa und ihre Schwester rufen einen Freund aus der Nachbarschaft zu Hilfe. Chooch begräbt mit ihnen die Leiche und die drei vereinbaren, den Mord ein Leben lang geheim zu halten. Allen in Gravesend erzählen sie, Sav sei verschwunden. Alle außer ihrem Sohn, der kaum spricht, schaffen es, ein halbwegs normales Leben zu führen, bis Jahre später Savs Bruder Roberto auftaucht und Risas Geschichte in Frage stellt.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 18.06.2026
Rezensent Thomas Wörtche liest hier schon den sechsten Band von William Boyles Kriminalreihe um Brooklyn's Süden und ist davon erneut überzeugt: 1986 erschlägt Risa Franzone ihren gewalttätigen Gatten in einem Akt von Notwehr. Boyles Roman begleitet die nächsten fast zwanzig Jahre, in denen Risa nicht etwa zur Polizei geht, sondern die Leiche mit einigen Eingeweihten im Wald verscharrt und zeigt für Wörtche eindrücklich, welch starres Korsett der repressive Katholizismus für das Leben der italienischstämmigen Kleinbürger ist. Risas Sohn Fabrizio versucht, dieses "Geflecht aus Schweigen, Lügen und Vertuschen" zu durchschauen, am Ende platzt die Geheimniskrämerei "wie eine große eitrige Blase", lesen wir. Bis dahin macht Boyle das soziale Umfeld und auch den Wandel der Zeiten unaufdringlich, im Feld zwischen Roman und Sozialstudie erfahrbar, für den Kritiker überzeugend.
Kommentieren

