William Boyd

Ruhelos

Roman
Cover: Ruhelos
Berlin Verlag, Berlin 2006
ISBN 9783827006929
Gebunden, 366 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Chris Hirte. Oxford, 1976. Ganz England stöhnt über die Hitze, doch Ruth Gilmartin ist vor allem um ihre Mutter besorgt: Ständig beobachtet Sally den Wald hinter ihrem Garten, das Telefon beantwortet sie nur nach vereinbartem Klingelsignal und das Haus verlässt sie - obwohl unversehrt - nur im Rollstuhl. Schließlich eröffnet sie ihrer Tochter, dass jemand sie töten wolle. Ihr wahrer Name sei Eva Delektorskaja und sie habe im Krieg als Spionin gearbeitet. Paris, 1939. Eva, eine schöne russische Emigrantin, wird von dem geheimnisvollen Lucas Romer für den britischen Geheimdienst angeworben. Sie soll die Arbeit ihres geliebten Bruders Kolja, der von den Nazis ermordet wurde, weiterführen. Unter Romers Anleitung wird sie zur perfekten Spionin ausgebildet, die schnell lernt, sich zu verstellen und - niemandem zu trauen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2007

Hinreißend unterhaltsam findet der Rezensent Tobias Döring diesen Agentenroman von William Boyd. Und so vielschichtig, dass sich daran gleich eine ganze Theorie zur Familienähnlichkeit von Autoren als Erschaffern von Fiktionen und Agenten von Schmugglern falscher Tatsachen aus der Fantasie in die Wirklichkeit entwickeln lässt. Erzählt wird von einer in Paris angeworbenen Agentin, die in den dreißiger und vierziger Jahren im Auftrag ihrer Majestät falsche Geschichten in Umlauf bringt - und zuletzt selbst instrumentalisiert wird. Döring bewundert, wie geschickt der Autor vor historischer Breitwandkulisse seinen Plot einfädelt, vor allem aber findet er die dem Buch zugrundeliegende Frage, "wie erfundene Geschichten den Lauf der Geschichte ändern können", für hoch interessant. Ein leiser Vorbehalt wird dann aber doch noch formuliert: Vielleicht sei das alles zuletzt gerade seiner Perfektion wegen ein wenig "glatt", ja sogar "berechenbar".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.01.2007

Dieser Spionageroman sei eigentlich ein "Verlorenheits- und Verlassenheitsroman" findet Ijoma Mangold. Denn der Typus "Spion" werde darin als der "einsamste Mensch der Welt", also der "menschliche Prototyp schlechthin" beschrieben. William Boyd, für Mangold einer der "interessantesten englischen Schriftsteller", erzähle seine Geschichte auf zwei "rasch ineinander geschalteten" Zeitebenen - 1939 und 1976. Es gehe um die Geschichte einer britischen Agentin im Zweiten Weltkrieg, die auch Jahrzehnte später noch um ihr Leben zu fürchten scheint. Allerdings führt die ausgeklügelten Romankomposition beim Rezensenten schließlich zum Eindruck gewisser inhaltlicher Leblosigkeit, was ihn das Buch insgesamt als eher schwächeres Boyd-Werk einstufen lässt. Mit interessiertem Wohlgefallen folgt er Handlung und Protagonisten. So richtig vom Hocker hauen sie ihn nicht.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.01.2007

Rezensent Jörg Magenau sieht in diesem Thriller einen Gegenentwurf zu Philip Roths "Verschwörung gegen Amerika". Die Spionagegeschichte, die William Boyd passenderweise, wie Magenau findet, als Mischung aus Fiktion und historischen Dokumenten erzählt, befasst sich mit der Rolle des britischen Geheimdienstes zwischen 1939 und 1941. Spannend findet Magenau die "minutiösen" Schilderungen über die Desinformationsagentur BSC und entdeckt unter den historischen Fakten allerhand Gleichnisse auf die menschliche Existenz. Der Thrill allerdings lässt nach, als Magenau sich mit der Gegenwartsebene des Buches konfrontiert sieht. "Lustlos" sei der Autor hier zu Werke gegangen, "unterbelichtet" bleibe Boyds Versuch, der Geschichte aus Hitler-Deutschland mit einer RAF-Story eine jüngere Entsprechung beizugeben. So nicht, meint Magenau, dem der Roman ohne diesen Versuch besser gefallen hätte.
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