Werner Rösener

Die Geschichte der Jagd

Kultur, Gesellschaft und Jagdwesen im Wandel der Zeit.
Cover: Die Geschichte der Jagd
Artemis und Winkler Verlag, Düsseldorf 2004
ISBN 9783538071797
Gebunden, 447 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Jagen ist Kampf, Statussymbol, Passion, Sport und Wildhege. Die Jagd gehört zu den ältesten Formen der Nahrungsgewinnung - von ihr geht eine Aura des Archaischen aus. In der Geschichte der Jagd spiegelt sich die Geschichte der Menschheit. Heute wird die Jagd von einem größeren Personenkreis betrieben als jemals zuvor. Der Bogen der Darstellung spannt sich von der Frühgeschichte und der Antike über die höfische Jagdkultur des Mittelalters (einschließlich der Falknerei), die fürstlichen Prunkjagden der Renaissance und des Barock und den bürgerlichen Kampf gegen das feudale Jagdprivileg bis in die Gegenwart. Rösener entkräftet durch seine Forschungen manche Vorurteile, etwa dass die Jagd ein reiner "Männersport" war. Im aktuellen Schlusskapitel diskutiert Rösener das kontrovers erörterte Problem des ökologischen Nutzens der heutigen Jagdpraxis.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.02.2005

Im Ganzen gelungen findet Ute Esselmann diese Kulturgeschichte von Werner Rösener, die das Phänomen der Jagd von den Grundlagen der europäischen Jagd (Frühgeschichte, frühe Hochkulturen, Antike) über die Jagd im Mittelalter und der Neuzeit hin zur modernen Jagd untersucht. Auch wenn Esselmann eine gewisse "Überlänge" des Wälzers beklagt, erscheint ihr die Lektüre nur "zeitweilig mühsam", was sie vor allem darauf zurückführt, dass die Jagdgeschichte der vergangenen tausend Jahre von sozialen Ungerechtigkeiten nur so strotzt. Das liest sich natürlich spannend. Sie schildert die Frondienste, mit denen die adeligen Jäger den Bauern Jahrhunderte lang zusetzten. Auch berichtet sie von besonders grausamen Jagdgewohnheiten. Beliebt sei etwa das "Fuchsprellen" gewesen: Dabei wurden Füchse (wahlweise Hasen) in Netze oder Tücher gesetzt und vom Jagdpersonal oder den Gästen hochgeschleudert, bis sie starben. Sie hebt hervor, dass Rösener von solchen Perversionen in "deutlich kritischem Ton" berichtet. Zu ihrem Bedauern behandelt Rösener Waidgerechtigkeit und grundsätzliche Fragen der Zulässigkeit des Jagens allerdings nur sparsam, sie vermisst jedenfalls eine "Extraportion Geschichte der Jagdkritik". Besonders "flott" geschrieben findet Esselmann diese Jagdgeschichte zwar nicht, dafür aber - trotz mancher Redundanz - "eindrucksvoll kenntnisreich". Mehr Bilder und ein besseren Glossar hätten dem Band ihres Erachtens freilich nicht geschadet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2004

Ein wenig zu tendenziell erscheint Rezensent Erwin Seitz diese "Geschichte der Jagd", die Werner Rösener hier vorgelegt hat. Zwar hält er dem Autor zugute, auch viele Befürworter der Jagd zu Worte kommen zu lassen. Insgesamt aber folge Rösener eher den Kritikern, für die das Weidwerk eine unstatthafte Projektionsfläche sei: ein Feld der Weltflucht und der Selbstüberhöhung. Nur selten könne sich Rösener dazu durchringen, moniert Seitz, "der Jagd eine inspirierende Kraft zuzubilligen und ihre Extravaganzen mit Milde zu betrachten." Ausführlich rekapituliert der Rezensent die Geschichte der Jagd von der vorgeschichtlichen Epoche des Jagens und Sammelns über das alte Ägypten, die griechisch-römische Antike, das Mittelalter bis heute. Insgesamt findet er es schon bedauerlich, dass Rösener gegenüber seinem Untersuchungsgegenstand "illoyal" wird. "Das gibt", resümiert Seitz, "diesem kundigen, an vielen Stellen unterhaltsamen Buch einen fahlen Ausklang."
Stichwörter