Werner Renz zeichnet in diesem Band die NS-Prozesse nach, angefangen mit dem ersten Auschwitz-Prozess unter Generalstaatsanwalt Fritz Bauer in Frankfurt am Main über die Frankfurter Nachfolgeprozesse bis hin zu den jüngsten Verfahren gegen Demjanjuk, Hanning und Gröning. Dabei analysiert er die jeweilige Rechtsauffassung und die
Rechtspraxis dieser Prozesse und deren Resonanz in der Öffentlichkeit. So hatte eine uneinheitliche Rechtsprechung in den vergangenen Jahrzehnten eine inkonsequente Justizpraxis zur Folge. Freisprüche und Verfahrenseinstellungen liefen für manche Kritiker auf Strafvereitelung hinaus. Zahllose Holocaust-Täter blieben unbehelligt. Insgesamt kann bei der Aufarbeitung der NS-Verbrechen das Versagen nicht nur der Justiz, sondern auch der Politik, der Strafrechtswissenschaft, der Zeitgeschichtsforschung und der deutschen Öffentlichkeit festgestellt werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.2018
Alexander Haneke lässt sich von Werner Renz, dem ehemaligen Leiter des Fritz-Bauer-Instituts, die historische Dimension des Frankfurter Auschwitz-Prozesses und seine Folgen nachzeichnen. Wie es geschehen konnte, dass so viele Helfer beim Mord in Auschwitz ohne Verurteilung davonkamen, erfährt Haneke anhand einer Fülle von Details aus den Prozessen, etwa dem Umstand, dass Auschwitz nicht als einheitliche Tat betrachtet wurde, sondern in Einzeltaten atomisiert wurde, sodass Tätern ihr Vergehen genau nachgewiesen werden musste. Darüber hinaus bietet der Autor eine Dokumentation der damaligen Debatten und weist auch auf die Überforderung der deutschen Zivilgesellschaft bei der gerichtlichen Aufarbeitung hin.
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