Werner Hofmann

Caspar David Friedrich

Naturwirklichkeit und Kunstwahrheit
Cover: Caspar David Friedrich
C. H. Beck Verlag, München 2000
ISBN 9783406464751
Gebunden, 297 Seiten, 76,00 EUR

Klappentext

Werner Hofmann, der mit seiner Hamburger Friedrich-Ausstellung entscheidend zur Wiederentdeckung des Malers beitrug, bündelt in diesem Buch die verschiedenen Deutungsansätze zu einer neuen Interpretation der Werke Caspar David Friedrichs. Der Umriss eines Seglers im Morgenlicht, ein Fischer am Strand bei den Netzen, der Schatten eines Mönchs vor der Weite des Meeres, zwei Freunde im Mondlicht, ein Schiffsbug im Packeis: Friedrichs Motive sind beiläufig einfach, aber sie folgen einer zwingenden Dramaturgie. Die Natur ist in ihrer wahren Erscheinung erfasst und zugleich in ihrer Aussage gesteigert. Indem der Maler die Bildräume übergangslos staffelt, hat er das Prinzip der Collage vorweggenommen. Entscheidend für das Verständnis des Malers ist der zeitgeschichtliche Rahmen seines Werks: die Gedanken Schleiermachers, Goethes und Schillers, die Urteile der Dichter, das politische Geschehen im napoleonischen Europa. Reich bebildert zeigt dieses Buch die Werke oft im Detail und beschreibt sie als Manifeste einer neuen Kunst.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.04.2001

"Zu den Eigenheiten des Protestantismus gehört, dass er den besonderen Stand des Künstler-Propheten hervorgebracht hat", schreibt Martin Mosebach. Ausführlich bespricht er die kunsthistorische Betrachtung des Hamburger Museumsdirektors Werner Hofmann über Caspar David Friedrich und kommt zu dem Schluss, dass Hoffmanns Bildmonografie sehr eindrücklich und kenntnisreich Friedrichs Weg vom Maler zur Landschaftsikone belegt. Ein besonderer Verdienst des Autors ist es überdies, denkt der Rezensent, dass er dem Konstruktionsprinzip der Friedrich-Bilder auf die Schliche gekommen ist. Bei aller anti-akademischer Grundhaltung sei der Maler letztlich doch nicht so naturversessen gewesen, wie er es selbst gern proklamierte. Wie seine akademischen Kollegen auch bereitete er seine Bilder sorgfältig in Skizzenbüchern vor und setzte sich mit dem, was er malen wollte, gründlich auseinander, erklärt Mosebach.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.03.2001

Neue Einblicke und Spannung verspricht dieser Band zu C. D. Friedrich nach Auskunft der Rezensentin. Was Doris Schmidt neben einer "klaren Diktion", die sicher lobenswert doch nicht der entscheidende Grund für ihr Urteil sein wird, noch hervorhebt, ist die Perspektive des Autors. Wie niemand vor ihm habe sich Werner Hofmann mit Friedrichs Denken und Biografie im Hinblick auf sein Gesamtwerk beschäftigt. Auf diese Weise, so Schmidt, sei es gelungen, Kunstgeschichte als Geistesgeschichte und den Maler als großen Zeugen seiner Epoche darzustellen. Das Bild des rein aus der Phantasie und dem Gefühl schöpfenden Romantikers sieht Schmidt durch diese auf Konstruktion und Ratio im Schaffensprozess abhebende Studie zurechtgerückt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.01.2001

Verfasst als eine Bilanz über eine lange Auseinandersetzung mit dem Künstler, sei dieses "prachtvoll ausgestattete" Buch ein anregender Beitrag zum Verständnis von Friedrichs Werk. So sieht es Franz Zelger. In seiner Besprechung verfolgt er den Gang der Monographie - von der Auseinandersetzung des Autors mit Friedrichs ambivalenter Bildsprache über die Situierung des Künstlers in seiner Epoche bis hin zur Diskussion von dessen formalen Konzepten. Und immer führt ihn der Autor zu neuen Erkenntnissen. Das Fehlen von Fußnoten und ein "recht knappes" Literaturverzeichnis will Zelger dem Buch und seinem Verfasser da gerne nachsehen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.01.2001

Zum Aufmacher des Literaturteils avanciert diese Woche Werner Hofmanns Interpretation der Bilder Caspar David Friedrichs, die Ulrich Greiner einer kritischen Würdigung unterzieht. Einige interessante Details erfährt man aus Greiners Artikel wie etwa, dass Friedrich, der heute zu den Ikonen der Postkartenkultur zählt, schon kurz nach seinem Tod ins Vergessen geraten war und erst in diesem Jahrhundert eine Renaissance erfuhr. Greiner nennt Hofmanns Werkanalyse "scharfsinnig" und erwähnt nebenbei, dass sie wohl "bekömmlicher" hätte geschrieben sein können. Hofmann konzentriere sich auf die Entschlüsselung der ungewöhnlichen kompositorischen Strategien Friedrichs, wozu für ihn die Auflösung der Zentralperspektive zähle. Der Verfasser, der einst in Hamburg die große David Caspar Friedrich-Ausstellung organisiert hat, deutet die Bilder abstrakt, schreibt Greiner weiter, als inszenierte Natur, in der die Komposition von Licht, Bewegung und Raum die Hauptrolle spielt. Zugleich verankere Hofmann die Bilder im philosophisch-ästhetischen Kontext jener Zeit, die auf die Erfahrung der Entgrenzung des Subjekts eigene künstlerische Antworten suchte.