Werner Bergengruen

Schriftstellerexistenz in der Diktatur

Aufzeichnungen und Reflexionen zu Politik, Geschichte und Kultur 1940-1963
Cover: Schriftstellerexistenz in der Diktatur
Oldenbourg Verlag, München 2005
ISBN 9783486200232
Gebunden, 298 Seiten, 34,80 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Frank-Lothar Kroll, N. Luise Hackelsberger und Sylvia Taschka. Die hier vorgelegte Auswahledition der Bergengruenschen Aufzeichnungen trägt bei zur Vermittlung von Weltbildern und Werthaltungen der "inneren" und "äußeren" Emigration, wie dies von der zeithistorischen Forschung seit Erscheinen der "Tagebücher", Victor Klemperers (1995) und des "Geheimreports" Carl Zuckmeyers (2002) vielfach eingefordert wird.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2005

Im Jahr 1937 bekam Werner Bergengruen mitgeteilt, dass das Nazi-Regimes sich von seinem Werk nichts versprach - damit verbunden war der Ausschluss aus der "Reichsschrifttumskammer", also ein Berufsverbot. Dass Bergengruen niemals der große Romanautor wurde, der er zu werden versprach, dass nach dem Krieg nur Novellen und Gedichte erschienen, hat, vermutet der hier rezensierende Wolf Jobst Sieder, damit durchaus zu tun. Auch die Texte des vorliegenden Bandes sind Aufzeichnungen, Texte, Erinnerungen aus der Nachkriegszeit. Mit einem "staunenswerten" Sinn für "Gerechtigkeit", staunt der Rezensent, setzt sich Bergengruen darin mit manchen der Autoren auseinander, die von den Nazis favorisiert wurden, von Erwin Guido Kolbenheyer bis Hans Grimm. Als Bewohner einer fast schon versunkenen Welt weisen Bergengruen allerdings gerade die Texte aus, die er von ihm bewunderten Autoren widmet, Reinhold Schneider etwa oder Jakob Schaffner. Wenig ist von ihnen geblieben - und wenig wird von Bergengruen bleiben, resümiert Siedler, nicht ohne Resignation. Kaum einer werde bleiben aus dieser Zeit, ja, kaum einer sei geblieben, neben Gottfried Benn, Bertolt Brecht und Thomas Mann.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.08.2005

Als einen der "erfolgreichsten" Autoren des 20. Jahrhunderts und wichtigen Vertreter der "inneren Emigration" stellt uns rezensent Frank-Rutger Hausmann den Schriftsteller Werner Bergengruen vor, der zwar aus der "Reichsschriftumskammer" ausgeschlossen war, dennoch bis zum Zweiten Weltkrieg in Deutschland veröffentlichen konnte, informiert der Rezensent. Für diesen Auswahlband von Bergengruens Schriften hat der Herausgeber Frank-Lothar Kroll vor allem Tagebucheinträge zusammengestellt, um dessen Haltung gegenüber den Nationalsozialisten zu beleuchten, stellt Frank-Rutger Hausmann fest. Im Gegensatz zu Tagebucheintragungen von Ernst Jünger, Reinhold Schneider und anderen Zeitgenossen werden in Bergengruens Aufzeichnungen die "politischen Ereignisse" nicht kommentiert, sondern in "Reflexionen und Aphorismen" gegossen und so mancher Schriftstellerkollege, der sich mit den Nationalsozialisten einließ, aufs Korn genommen. Gerade diese Porträts lobt der Rezensent als besonders "hellsichtig und sarkastisch", wie er überhaupt Bergengruens Gespür für die "moralischen, politischen und ästhetischen Misstöne deutschtümelnder Verwirrungen" bewundert. Für diese Haltung hat Hausmann dann auch "nichts als Bewunderung" übrig.

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