Aus dem Amerikanischen von Chris Hirte. Joe Allston, Literaturagent im Ruhestand, ist ein Unsentimentaler: Ein Leben lang hat er die Sicherheit ehelicher Stabilität dem Sturm möglicher Leidenschaft vorgezogen. Auch jetzt setzt er dem tendenziell aussichtslosen Unterfangen später erotischer Eskapaden die stoische Haltung des Beobachters entgegen. Ruth will ihn zum Schreiben animieren, doch Allston erinnert sich stattdessen an eine ungelebte Liebe: Die denkwürdigen, mitunter abstrusen Geschehnisse auf einer Jahrzehnte zurückliegenden Reise nach Dänemark lesen sich wie ein Krimi. Gleichzeitig entfaltet sich das subtile Porträt der Ehe Allstons.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2009
Rezensent Peter Henning liegt es am Herzen, den 1993 verstorbenen Autor Wallace Stegner, der in den siebziger Jahren zu den wichtigsten amerikanischen Gegenwartsautoren zählte, auch hierzulande wieder ins Gedächtnis zu rücken. In seinem zweiten nun auf Deutsch vorliegendem Roman "Nacht des Kiebitz" kann man ihn als großen unsentimentalen Erzähler bewundern, der gleichermaßen den ungeschönten Blick auf die zerstörerischen Spuren des Alters wie auf eine Ehekrise lenkt, weil den Helden des Buches die Vergangenheit einholt, verspricht der Rezensent. Sehr beeindruckend fand der Rezensent Stegners Schilderung einer Ehe "im Moment einer existentiellen Krise", wobei er es als ungeheuer tröstlich empfindet, dass der Autor das Paar die Irritationen altersweise überdauern lässt. Als sehr fesselnd und beklemmend empfand er auch den zweiten Handlungsstrang, der die traumatische Geschichte der dänischen adligen Dame schildert, zu der der alternde Held einst eine große Anziehung verspürte: Sie war von ihrem Vater zu von den Nazis inspirierten Experimenten zu "Inzucht und Polygamie" missbraucht worden.
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