W.J.T. Mitchell

Bildtheorie

Cover: Bildtheorie
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783518584941
Gebunden, 497 Seiten, 32,80 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Heinz Jatho. Was sind Bilder? Wie unterscheiden sie sich von Worten? Was genau sind Bilder heute, in einer Zeit, in der die Macht des Sichtbaren größer scheint als je zuvor und in der der "pictorial turn" den "linguistic turn" abgelöst hat? W. J. T. Mitchell, einer der Pioniere der "Visual Culture Studies", stellt diese Fragen in einer Reihe von Aufsätzen. Sie untersuchen das Zusammenspiel des Sichtbaren und des Sagbaren in allen kulturellen Bereichen, von der Literatur über die bildende Kunst bis zu den Massenmedien. Dabei werden grundlegende theoretische Texte von Plinius bis Foucault ebenso analysiert wie zahlreiche Produkte der Hoch- und Alltagskultur.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.11.2008

Wolfgang Ullrich, seines Zeichens Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie in Karlsruhe, stellt zwei Bücher seines Chicagoer Kollegen W. J. T. Mitchell vor, die sich mit dem Totem-, Fetisch- und Idolcharakter von Bildern beschäftigen. Der Autor spricht in diesem Sammelband vom "Leben der Bilder", die ihnen von den Rezipienten zugeschrieben werden und lässt sich in der Folge für den Geschmack des Rezensenten allzu willig auf die Metaphern ein, die Bildern "Geist, Willen und Begehren" zuschreiben. So läuft er nicht nur Gefahr, selbst allzu bildergläubig aufzutreten, zudem mangelt es laut Ullrich an der nötigen Differenzierung. Denn der "linksliberale Akademiker" Mitchell beschreibt Bilder ausschließlich als Benachteiligte, vergleicht sie mit Frauen und Schwarzen oder "Migranten", die im Bildersturm auch schon mal "ethnischen Säuberungen" zum Opfer fallen, notiert Ullrich befremdet. Der Rezensent findet diese Vergleiche ziemlich "geschmacklos" und vor allem allzu "pauschal", weshalb er Hans Beltings durchaus verwandten Ansatz einer "Bild-Anthropologie" entschieden vorzieht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.11.2008

Wolfgang Ullrich, seines Zeichens Professor für Kunstwissenschaft und Medientheorie in Karlsruhe, stellt zwei Bücher seines Chicagoer Kollegen W. J. T. Mitchell vor, die eine bildwissenschaftliche Grundlegung versuchen. Anders als bei Mitchells Band über "Das Leben der Bilder", der zeitgleich bei Beck erscheint, hat Ullrich gegen die in "Bildtheorie" präsentierten Essays einige Bedenken anzumelden. Ullrich geht an dieser Stelle auf die Frage ein, warum Bildern Leben zugeschrieben wird und warum diese Zuschreibung kaum zu vermeiden ist. Mitchell scheint aber nicht nur über diese Frage zu reflektieren, sondern ihr auch gewissermaßen in die Falle zu gehen, denn Ullrich wirft ihm selbst vor, allzusehr an seine Metaphern zu glauben. Bei seinen Vergleichen von Bildern mit Frauen oder gar mit sozialen Gruppen vermag Ullrich ihm kaum mehr zu folgen und wirft ihm Pauschalisierungen vor. Einen Ausweg aus Mitchells bildtheoretischen Sackgassen sucht Ullrich dann bei Theorien von Hans Belting und dingphilosophischen Ansätzen von Bruno Latour und Hartmut Böhme.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.07.2008

Peter Geimer begrüßt diesen von Gustav Frank herausgegebenen Band mit Texten von William J.T. Mitchell, zeigt sich zugleich aber skeptisch gegenüber den Thesen des Literaturwissenschaftlers und Kunsthistorikers, der als Erfinder des "pictoral turn" gilt. Der Band, der Arbeiten des Autors aus den letzten fünfzehn Jahren versammelt, zielt seines Erachtens auf grundsätzliche Fragen, was für ihn schon die Titel der Beiträge (wie "Repräsentation", "Was ist ein Bild?" oder "Was wollen Bilder wirklich?") verdeutlichen. Die Texte scheinen ihm dort am stärksten, wo es um das Verhältnis von Bild und Sprache geht. Durchaus "bedenkenswert" findet er die in diversen Beiträgen erläuterte zentrale These Mitchells, die Wirksamkeit von Bildern sei immer auch eine sprachliche und die Literatur habe umgekehrt immer auch eine visuelle Komponente. Allerdings überzeugen Geimer die Argumentationen des Autors nicht immer. Vor allem gelingt es Mitchell seines Erachtens nicht tatsächlich, eine überzeugende "Bildtheorie" zu entwerfen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.07.2008

Bilderfluten und die Frage, was das Bild von uns will, sieht Mario Scalla in diesem Buch mit zentralen Texten des amerikanischen Bildwissenschaftlers W. J. T. Mitchell auf ganz undeutsche Weise behandelt. Scalla freut die "endlich" greifbare Textauswahl aus mehreren Gründen. Einmal wegen des "theoretischen Mehrwerts", handelt es sich bei Mitchells Kritik unserer Sehkultur doch um ein, wie er findet, avanciertes Programm, das eine Rezeption über Fachkreise hinaus verdient. Dann aufgrund von Mitchells (post-)strukturalistischer Prägung, die den Rezensenten in den Genuss einer komplexen, gegen die kategorische Trennung von Bild und Text gerichtete Argumentation bringt, hin zu einer "kritischen Ikonologie", die Velasquez, Plakatkunst und Karikatur kombiniert und kommentiert.

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