Peter Sloterdijk

Der Fürst und seine Erben

Über große Männer im Zeitalter der gewöhnlichen Leute
Cover: Der Fürst und seine Erben
Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783518001363
Kartoniert, 180 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Alexander habe Achill nachgeahmt und Caesar den Alexander - doch wen haben sich die starken Männer der Gegenwart zum Vorbild genommen? Caligula, Napoleon III., Mao? "Be careful what you wish for", so ein englisches Sprichwort: Vielleicht hätten die Heutigen vorsichtiger sein sollen, als sie sich in den postpolitischen Jahren Staats- und Regierungschefs mit mehr Charisma wünschten. "I am the chosen one", wusste Donald Trump 2019 über sich zu berichten. Seit Wiederamtsantritt lebt er die Madman-Theorie aus, die ein moderner Machiavelli erdacht haben könnte: Wer als unkalkulierbar gilt, macht die besten Deals. Auf der anderen Seite der Erdkugel sammelt der "Überragende Führer" Xi Zar Putin und Narendra Modi um sich, der einem Vorbild die höchste Statue der Welt errichten ließ. Ein Fürst, der sich behaupten wolle, statuierte Machiavelli, müsse lernen, nicht gut zu sein. Diese Lektion haben die neuen Autokraten gelernt. Im neuen Typ Fürst reaktualisiert sich für Peter Sloterdijk die Frage, ob die moderne Welt über die im Königtum gefundene Lösung für die Verkörperung der Macht in Einzelpersonen hinausgekommen sei.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.04.2026

Angeregt, aber auch ein bisschen ratlos bespricht Rezensentin Marianna Lieder Peter Sloterdijks neuen Erguss zum Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Dass man von Sloterdijk weniger klare Thesen als ein Sammelsurium aus Verweisen und Anmerkungen erhält, ist ja nichts Neues. Aber diesmal fällt doch besonders auf, dass Gedanken wie der, dass auch Demokratien anfällig sind für Autoritarismus, nicht allzu originell sind. Weiterhin geht es diesmal viel um Machiavelli, dessen atheistische Nüchternheit dem Philosophen gefällt; sowie wieder einmal um eine Lieblingsvokabel Sloterdijks, die Vertikalität - diesmal zum Beispiel in Form einer "Verwilderung der Vertikalachse" in diktatorischen Regimen. Doch ein bisschen arg ziellos wirkt das alles auf Lieder, die den Eindruck hat, dass Sloterdijk diesmal fast schon bescheiden auftritt, wenn er sich, anstatt uns die Gegenwart zu erklären, in die Geistesgeschichte zurückzieht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2026

Rezensent Marc Reichwein liest Peter Sloterdijks Machiavelli-Lektüre und stellt fest: Eine systematische Analyse ist das nicht, erst recht keine, die auf den italienischen Entstehungskontext von Machiavellis ""Il principe" eingeht. Stattdessen bietet der Autor, wie gewohnt, "intellektuelle Sprühsahne". Dass die "Machiavelli-Aktualisierung" dennoch Lesefrüchte trägt, kann Reichwein allerdings nicht bestreiten. Dass die Tyrannei neuerdings vornehm als Autokratie daherkommt, gehört für den Rezensenten ebenso dazu wie die Erkenntnis, dass Autokraten eben doch nur Menschen mit menschlichen Regungen sind plus Sendungsbewusstsein. Darüber hinaus schreibt Sloterdijk laut Reichwein eine kleine Theorie der Macht im Medienzeitalter, gefüttert mit Apercus, mit Debord, Applebaum und Nietzsche. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.03.2026

Nein, mit diesem Buch von Peter Sloterdijk kann Rezensent Ralph Bollmann nichts anfangen. Er findet es wenig erkenntnisreich, gar irreführend. Bollmann kritisiert vor allem, dass Sloterdijk Machiavellis "Der Fürst" selektiv liest, moderne Debatten ignoriert und stattdessen freie Assoziationen zu Trump, Schmitt, Hitler und Nietzsche anstellt, was zu Klischees und Zerrbildern führe. Statt Machiavellis Fokus auf Zyklen und Bürgertugenden aufzugreifen, betone Sloterdijk eine vertikale "starke-Mann"-Politik, die den Kern des Originals verfehle. So liefert das Buch für Bollmann keine hilfreichen Einsichten zur Selbstbehauptung liberaler Demokratien.

Buch in der Debatte

9punkt 26.03.2026
Machiavellis "Der Fürst" löste bei seinem Erscheinen um 1500 "einen scharfsinnigen Ernüchterungsschock" aus, mit Machiavelli "sieht man auch die Welt von heute klarer. Momentan fehlt es ja schmerzlich an Draufsichten auf die Lage", meint Peter Sloterdijk, der gerade ein Buch über seine Machiavelli-Lektüre geschrieben hat, im Interview mit der Zeit. Die Situation heute sei auch deshalb schlecht zu erfassen, weil Dialektik nicht mehr verstanden und statt dessen ein "naiver Universalismus" praktiziert werde. Dass Europa jetzt aufrüstet, nimmt er mit Erleichterung zur Kenntnis. Es habe noch "Glück, weil es ohne riesige Katastrophen genötigt wurde, aus seiner pazifistischen Traumzeit zu erwachen: In Mittel- und Westeuropa floss noch kaum Blut. Normalerweise lösen erst großkalibrigere Ereignisse einen so fundamentalen Richtungswechsel aus. Plötzlich ist selbst bei einer gemeinsamen Verteidigung ein Konsensus da. Was mich aber wundert: Wir haben 27 Länder in der EU, also müssten irgendwo 27 Streitkräfte versteckt sein. Die sollte man mal suchen und zusammenrechnen, was die können", schlägt er vor. Unser Resümee

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