Volker Reiche

Kiesgrubennacht

Graphic Novel
Cover: Kiesgrubennacht
Suhrkamp Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783518464762
Gebunden, 231 Seiten, 21,99 EUR

Klappentext

Sommer 1948: Eine Flüchtlingsfamilie versucht ihren Platz im Nachkriegsleben zu finden. Der vierjährige Volker blickt mit Staunen auf die neue Welt, auf seine vier Geschwister und die Eltern, die nicht schuldlos aus dem Krieg gekommen sind. Der Familienvater hatte sich dem Nationalsozialismus als "Dichter des Führers" angedient, die Mutter war Gauleiterin im "Bund deutscher Mädchen". Doch für Volker ist all das unverständlich, es wird Teil des großen Abenteuers Kindheit. Und des großen Abenteuers Kunst, denn 65 Jahre später ist aus dem Knaben der berühmte Comiczeichner Volker Reiche geworden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.01.2014

Der Konflikt der deutschen Nachkriegskinder mit ihrer Elterngeneration ist literarisch schon ziemlich erschöpfend verarbeitet worden, weiß Martina Knoben. Als Comiczeichner hat Volker Reiche allerdings ein Repertoire von Darstellungsweisen, die sich ausreichend von der rein textlichen Literatur abheben, um das Thema wieder interessant zu machen, und in seiner autobiografischen Graphic Novel "Kiesgrubennacht" tut er genau das, verrät die Rezensentin. Reiche nutzt zum Beispiel die räumlichen Dimensionen der Seite für Episoden, die sich an Ereignisse heranlagern und verwendet bestimmte prägnante Farben, um Assoziationsbänder zwischen Bildern zu knüpfen, fasst Knoben zusammen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.11.2013

Erinnern als Kunst bietet der einstige Comic-Zeichner der FAZ, Volker Reiche, dem Rezensenten Dietmar Dath mit diesem Band, in dem Reiche zugleich seine Kindheit im Nachkriegsdeutschland und die Möglichkeiten und Mittel der Erinnerung daran behandelt. Für Dath ein persönlich wie ästhetisch beeindruckendes Unternehmen, das der Autor trotz schmerzhafter Momente ohne plakatives Draufhalten meistert, etwa indem er die vom Nazivater blutig geschlagene Mutter so abzubilden sucht, wie er sie als Kind gesehen haben mag - marginal, am Rand. Dass Reiche zeichnend dem "feinen" Strich misstraut, wie Dath anmerkt, ist so gesehen eigentlich nur konsequent.
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