Utz Maas

Was ist deutsch?

Die Entwicklung der sprachlichen Verhältnisse in Deutschland
Cover: Was ist deutsch?
Wilhelm Fink Verlag, München 2012
ISBN 9783770552726
Broschiert, 532 Seiten, 98,00 EUR

Klappentext

Unsere Sprache ist kein Erbe, das uns die Vorfahren überlassen haben. Die deutsche Schriftsprache ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen Spracharbeit in einem sprachlich heterogenen gesellschaftlichen Raum, in dem sich eine bürgerliche Gesellschaft mit ihrer Nationalsprache herausgebildet hat. Diese Spracharbeit hatte zwei Seiten: die Integration der gesellschaftlich heterogenen Bevölkerung und die Auseinandersetzung mit der lateinischen Bildungssprache. Die gegenwärtig so heftig debattierten Fragen, die sich um den Gegensatz des Eigenen und des Fremden drehen, gehören in diese Entwicklung: der Prozess der Spracharbeit ist nicht abgeschlossen. Eine solche Sichtweise verlangt eine historische Vergewisserung. Diese will das Buch möglich machen, indem seine Darstellung von den heutigen Verhältnissen zur germanischen Frühzeit zurückgeht, und die Sprachentwicklung anhand von ausgewählten Quellen veranschaulicht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.12.2012

Hier bespricht ein emeritierter Professor, Hans-Herbert Räkel (Autor eines Buchs über den deutschen Minnesang), das Buch eines anderen emeritierten deutschen Professors, und so liest es sich doch ein wenig spezialistisch, möglicherweise anspielungsreich, aber nicht so, dass der gemeine Leser diese Anspielungen immer nachvollziehen kann. Maas, so lernt man, plädierte als Marxist immer schon "für eine andere Sprachwissenschaft". Ihm scheint es darum zu gehen, Sprache als Ergebnis eines "Sprachausbaus" und nicht als etwas Naturwüchsiges zu betrachten. Und so erfährt man hier einiges über "Ablautreihen", die Endstellung des Verbs (und ihre "Wahrheitswertneutralität"), das deutsche Passiv, die indirekte Rede, die so in anderen Sprachen nicht ausgebaut worden sei, obwohl sie "mit durchaus mangelhaften Mitteln" auskommen müsse. Auch der Begriff der Nation spielt eine wichtige Rolle, wird von Maas aber, laut Räkel, widersprüchlich gehandhabt. Am Ende bemängelt Räkel mit leiser Ironie, dass sich Maas nicht an seine eigene Formel von einer "formalistischen Pervertierung" der Sprachwissenschaft gehalten habe.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.11.2012

Nun ja, für den "breiten" Leser ist das Buch vielleicht ja doch nichts, mutmaßt Wolfgang Krischke. Für den akademischen aber umso mehr. Was der Autor hier laut Krischke leistet, ist nicht weniger, als eine deutsche Sprachgeschichte von hinten, also von heute bis in die germanische Vorzeit, immer auf der Suche nach den sprachgeschichtlichen wie sozialhistorischen Weichenstellungen für den hochdeutschen Standard. Macht der Autor gut, findet Krischke, der Utz Maas zugesteht, in seinen besten Momenten eine politische Ökonomie der Grammatik zu schreiben. Durch die Übersetzung seines reichen aus dem Althochdeutschen, Lateinischen, Jiddischen und Niederdeutschen stammenden Quellenmaterials (Testamente, Predigten, fürstliches Schrifttum) sogar eine für den weniger kundigen Leser verständliche, wie Krischke erfreut anmerkt. Andererseits fühlt sich der Rezensent in der Pflicht, darauf hinzuweisen, dass das Buch die engagierte Mitarbeit des Lesers erfordert, auch weil das terminologische Glossar nicht wirklich hilft. Und ob der Autor mit seinem Versuch, einem Verständnis unserer Sprache als eines homogenen, gegen den Einfluss anderer Sprachen zu schützenden Gebildes entgegenzuwirken, nicht sowieso offene Türen einrennt, möchte Krischke auch bezweifeln.
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