Klappentext
Wer stottert, hat keine Superkraft. Wer stottert, dem fällt allerdings manches auf: Irgendwann muss die Menschheit beschlossen haben, dass sie es pausenlos eilig hat. Wer stottert, guckt oft in ungeduldige Gesichter. Stottern ist eine Art des rasenden Stillstands, eine unvorhergesehene Störung im Betriebsablauf. David Hugendick denkt über das Stottern und das Sprechen nach, über Ungeduld und Scham, über heimtückische Buchstaben und über unsere von künstlicher Dringlichkeit geprägte Gesellschaft.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.02.2026
Rezensent Patrick Bauer scheint erleichtert, dass es sich bei dem Buch des Journalisten David Hugendick nicht um eine Selbstentblößung handelt. Die Form der Anekdotensammlung steht dem Thema gut, findet Bauer. Es geht um die Erfahrungen des Autors mit dem Stottern. Für Bauer umso interessanter, weil er Hugendick für einen Wortkünstler hält, einen schreibenden zumindest. Drei unterschiedliche Typen des Stotterns gibt es, lernt er hier, unter anderem das "klassische Buchstabensperrfeuer". Bittere Erfahrungen mit dem Stottern kann der Autor also wortmächtig und "wunderbar leicht" vor dem Leser ausbreiten, vom Elternhaus bis zur Talkshow. Ob da ein Zusammenhang besteht? Bauer vermutet es, da Hugendick schon früh versuchte, den "Mangel" durch intensive Thesaurus-Lektüre wettzumachen. Dem Buch kommt das laut Rezensent sehr zugute.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 03.02.2026
Rezensent Nils Schniederjann zeigt sich frustriert nach der Lektüre dieses schmalen, persönlichen Essays des ZEIT-Literaturjournalisten über das Stottern. Es bleibe alles an einer mit feuilletonistischen Salven und Vergleichsfeuerwerken ausstaffierten Oberfläche, nie lasse der Autor einen ernsten Einblick in sein Innenleben zu. Manchmal deuten sich echte Einsichten an, zum Beispiel, wenn sich Hugendick über Leute ärgert, die seine Sätze zu Ende sprechen. Doch sogleich folgt darauf wieder ein witziges, entkräftendes Wortspiel, bemängelt der Kritiker. So wird es für Schniederjann leider trotz des Talents des Autors auf Dauer etwas ermüdend durch Feuilleton-Leichtigkeit und ständige Selbstironie hindurch die authentischen Erfahrungen suchen zu müssen.
Rezensionsnotiz zu Die Welt, 24.01.2026
Wohl rund 70 Millionen Menschen weltweit stottern, weiß Rezensentin Mara Delius, Autor und Journalist David Hugendick schreibt nun als einer von ihnen darüber, dass ihm das Stottern eine besondere Weltsicht verschafft hat. Schon im Kindergarten ist er durch diese Besonderheit mit der Scham konfrontiert, lesen wir, wenn er seinen Namen nicht flüssig aussprechen kann, wenn die Bestellung beim Bäcker holpert, wenn er später in der Schule Vorlesen soll. Das schildert er laut Delius aber nicht leidend, sondern selbstironisch und atmosphärisch dicht, er ist ein genauer Beobachter und erzählt, dass es sich für ihn anfühlt, "als würde ich versuchen, Keilschrift zu sprechen". Die Kritikerin liest hier ein kluges Buch darüber, wie man mit der Störung leben und den Raum für sich finden kann.
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