Aus dem Französischen von Ilse Utz. "Der Kampf der Kulturen sähe so aus: die westlichen Demokratien auf der einen, der Islam auf der anderen Seite. Zwei Welten, gefangen in ihren historischen, kulturellen und religiösen Unterschieden und daher zum Konflikt verurteilt." Auf der Grundlage dieses dualistischen Denkens, so Todorov, gibt es keinen Raum für Dialog. Die Folge: Unnachgiebigkeit, ja, sogar Krieg mit allen Mitteln. Die Demokratie ist zu verteidigen, aber Angst und Ressentiment führen schnell zu Fehlreaktionen. Der Zweck heiligt nicht immer die Mittel, manchmal - so lehrt die Geschichte - kann das Mittel schlimmer sein als die Krankheit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2010
Rezensent Thomas Macho schätzt Tzvetan Todorovs Studie "Die Angst vor den Barbaren". Er geht vor allem ein auf dessen Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Denkfiguren wie der Projektion, die in aktuellen Debatten zum Tragen kommt. In diesem Zusammenhang hebt er die These Todorovs hervor, die projektive Identifikation mit den Barbaren entstamme einem manichäischen Weltbild, einem simplen Freund-Feind-Denken, wie es auch den Islamisten vorgeworfen werde. Demgegenüber betone Todorov, dass Kulturen keine abgeschlossenen Entitäten seien, sondern Austausch, Vielfalt und Kommunikation praktizierten. Am überzeugendsten findet Macho den Autor, sobald er sich in Fallgeschichten - den dänischen Karikaturenstreit, den Krieg in Afghanistan, die Folterdebatte nach Abu Ghraib - vertieft.
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