Feuerprobe
Die trügerische Kartographie Europas

Arco Verlag, Wuppertal 2025
ISBN
9783965870703
Gebunden, 250 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Aus dem Polnischen von Bernhard Hartmann. In "Feuerprobe. Die trügerische Kartographie Europas" setzt Tomasz Różycki sich grundlegend mit der heutigen europäischen Identität auseinander. Zentrale Metapher des Buches ist die Landkarte, die immer schon falsch oder irreführend ist, weil sie die Wirklichkeit in abstrakte Kategorien und willkürliche Grenzen zwängt. Różycki interessieren die - oft vergessenen - Orte jenseits der etablierten Kategorisierungen und Grenzziehungen. Dort sucht und findet er Erkenntnis; das Reisen ist ihm Lebensbedingung. Dabei geht es nicht nur um geographische Orte - wie seine ehemals deutsche, heute polnische Geburtsstadt Opole oder das einst polnische, heute ukrainische Heimatdorf seiner nach dem Zweiten Weltkrieg nach Schlesien zwangsumgesiedelten Großmutter - sondern auch um die Topoi der europäischen Literatur, Kunst und Musik von der griechischen Antike bis in unsere Zeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.2025
Für Rezensentin Marta Kijowska ist Tomasz Rozycki einer der wichtigsten polnischen Autoren - und einer der ungewöhnlichsten, wie ihr sein neuer Essayband zeigt. In den 130 Kurztexten geht es oft ums Reisen quer durch Europa, Rozycki sinniert Kijowska zufolge über die Zufälligkeiten von Grenzziehungen, über die Mythen, die unser Bild von Europa begründen und über alles, was wir in der Geschichte dieses Kontinents vergessen haben. Sein hochassoziativer Stil gefällt der Rezensentin dabei sehr, sie staunt, welche eindrucksvollen Verbindungen zwischen Literatur, Geschichte und Gefühl der Autor immer wieder zu ziehen vermag - "Das Herumirren wird zur Wahrheit", bemerkt die Kritikerin.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 10.05.2025
Einen schwer einzuordnenden und gleichzeitig lesenswerten Text legt Tomasz Różycki laut Rezensent Frédéric Valin hier vor. Das Thema ist Europa, beziehungsweise die Mythen, die sich um Europa gebildet haben, und die Stärke des Buches besteht darin, so der Kritiker, dass Różycki diese in gewisser Weise beim Wort nimmt. Das Europa dieses Buches habe keine feststehenden Grenzen, der Mond gehöre freilich in jedem Fall dazu, weil er seit der Antike einen Sehnsuchtshorizont der Europäer bilde. Trauer um ein Europa, wie es hätte sein können, erkennt der Kritiker, wenn der Autor vor allem Texte versammelt, die auf die ein oder andere Weise den Flammen zum Opfer gefallen sind. Aber auch gescheiterte literarische Texte von Gogol oder Pessoa tauchen bei Różycki auf. Außerdem darf man den Autor nicht für einen zuverlässigen Chronisten halten, wenn er selbst europäische Mythen aufgreift, wie über eine päpstliche Jagd auf Katzen die Pestepidemie verursacht haben soll. Um welches Genre handelt es sich bei den 130 Miniaturen, die der Band versammelt? Um einen Essay der lyrischen Art vielleicht, überlegt Valin, hier stehen Gefühle im Zentrum, nicht Politik oder klare Thesen. In Zeiten, in denen der Kontinent in Gefahr ist, bekommt dieses Buch eine herausragende Relevanz, weil es auf eigenwillige Weise zeigt, was mit Europa verloren gehen könnte, schließt der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.04.2025
Rezensentin Ilma Rakusa darf gleich zwei neue Bücher des polnischen Autors Tomasz Rozycki entdecken: In seinem Essayband beschäftigt er sich mit Europa als "Palimpsest" und "Herz der Finsternis." Rozycki reist über den Kontinent, denke über die Fluchtbewegungen nach, die ihn geformt haben und sinniert über Kultur, erzählt uns Rakusa: So macht er sich beispielsweise Gedanken über Bücher, die von ihren Autoren selbst vernichtet wurden. Die Kritikerin lobt, wie viele verschiedene Facetten er sich vornimmt: Vermeers Bilder gehören für ihn genauso zur Geschichte Europas wie der Holodomor. Aus der Lektüre nimmt sie die unbedingte Aufforderung mit, sich für ein vielfältiges und tolerantes Europa einzusetzen.