Tom Segev

Elvis in Jerusalem

Die moderne israelische Gesellschaft
Cover: Elvis in Jerusalem
Siedler Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783886807666
Gebunden, 170 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Hebräischen von Antje Clara Naujoks. In seinen Werken zur Geschichte Israels hat Tom Segev immer wieder fest verwurzelte Ansichten zu entscheidenden Momenten in der israelischen Vergangenheit infrage gestellt. In seinem neuesten Buch, einer scharfzüngigen Streitschrift, wendet sich Segev dem heutigen Israel zu und fordert lieb gewonnene Annahmen über die moderne israelische Gesellschaft und ihre ideologischen Grundlagen heraus. Untermauert durch persönliche Erfahrungen wie durch verschiedenste Ausdrucksformen der israelischen Massenkultur - Shopping-Malls, Fast Food, Kunst, Fernsehen, religiöser Kitsch -, kommt der Autor zu einer provozierenden Schlussfolgerung: Die weitgehende Amerikanisierung des Landes, von den meisten beklagt, hatte einen ausgesprochen positiven Einfluss. Denn sie brachte nicht nur McDavids und Dunkin Donuts, sondern auch Tugenden wie Pragmatismus, Toleranz und Individualismus mit sich.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.02.2004

Der Historiker und Journalist Tom Segev hat sich nicht zuletzt durch sein aufsehenerregendes Buch "Die siebte Million" als scharfsinniger Kritiker einer erstarrten zionistischen Ideologie hervorgetan. Und auch sein neues Buch "Elvis in Jerusalem" findet Rezensent Carsten Hueck sehr erhellend. Diesmal gehe Segev geschickter vor. Er feiert den Zionismus als Erfolgsgeschichte und trägt ihn dabei zu Grabe, indem er proklamiert, dass sein Ziel, Normalität für die Juden im eigenen Lande, erreicht sei, nicht zuletzt duch die unaufhaltsame Amerikanisierung der israelischen Gesellschaft. Originell und zum größten Teil plausibel findet Hueck Segevs Thesen, doch macht er auch Einwände geltend. So übersehe Segev geflissentlich, dass sich auch die Siedlungsbewegung aus amerikanischen Einwanderern speise, die stärker als alle anderen die zionistische Fahne hochhalten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.07.2003

Wolfgang Günter Lerch prophezeit, dass der Haaretz-Kolumnist Tom Segev mit diesem "subjektiven, provokanten Portrait der gegenwärtigen israelischen Gesellschaft" bestimmt wieder anecken wird. Die von Segev beschriebene Amerikanisierung Israels werde "so manchem alten Zionisten die Zornesröte ins Gesicht treiben", meint unser Rezensent. Denn die Transformation Israels vom "zionistischen Musterstaat" hin zu einer "multipluralen Gesellschaft" werde von Segev als Modernisierung begrüßt. Auch wenn die Bewegung hin zu weiterer Demokratisierung und Individualisierung für Lerch unleugbar ist, gibt er zu bedenken: "Es gibt in Israel auch andere Trends." Er vermutet das statt Jerusalem doch eher Tel Aviv mit seinem "Klima eines säkularen Individualismus" Pate für Segevs Beobachtungen gestanden hat. Interessant findet Lerch die Frage, ob die "durch Amerika vermittelte Lockerung" wohl in Zukunft den Boden für eine neue Verständigung mit den arabischen Nachbarn bereiten wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.05.2003

Einen interessanten Einblick in Lage der modernen israelischen Gesellschaft gewährt Tom Segev in seinem Buch "Elvis in Jerusalem", findet Rezensent Thomas Kreuder. Wie Kreuder berichtet, sieht der renommierte Kolumnist Israel zwischen religiösen Traditionen und Amerikanisierung auf den Weg zur Normalität. Ein Weg, der indes noch weit ist. Darüber lasse Segev keine Zweifel, hält Kreuder fest. Trotz positiver Entwicklungen, wie Debatten über Änderungen im Staatsangehörigkeitsrecht oder der sich langsam durchsetzenden Einsicht, dass Israel nicht alle Kriege von den Arabern aufgezwungen wurden, registriert Segev gegenwärtig einen Aufschwung der politischen Rechten, die den Zionismus für sich besetzen. Doch Segevs Bestimmungsversuche zum Post-Zionismus, resümiert Kreuder, belegten unzweifelhaft, dass der zionistische Traum zu Ende sei.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.05.2003

Alexandra Senfft hat dieses Buch über den Prozess der Identitätsfindung der Israelis seit der Gründung ihres Staates 1948 mit großem Interesse und auch im Großen und Ganzen mit Zustimmung gelesen. Der Autor diagnostiziere für Israel eine "post-zionistische Phase", die ihm im eigenen Land von der "zionistischen Rechten" viel Kritik eingebracht hat, informiert die Rezensentin. Bereits seine vorhergehenden Bücher über die Geschichte Israels haben Senfft beeindruckt, und sie findet, dass die vorliegende Studie genauso "anregend geschrieben" ist. Sie lobt Tom Segev dafür, "eloquente Beispiele" für das wandelnde Selbstverständnis" der Israelis zu bieten. Allerdings kritisiert sie, dass der Autor bei seiner "Begeisterung" für die amerikanischen Einflüsse auf das Land die negativen Aspekte kaum erwähnt. Zudem findet sie, dass Segev allzu sehr die "aschkenasisch geprägte, amerikanisierte" Bevölkerungsgruppe betont und damit vielleicht bei den Lesern einen "falschen Eindruck" des Landes hervorruft. Trotzdem ein "lesenswertes Buch", betont die Rezensentin insgesamt zufrieden.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.04.2003

Mit hohen Erwartungen hat Gisela Dachs dieses Buch gelesen, zieht letztendlich aber gemischtes Fazit aus der Lektüre. Ein wenig enttäuscht stellt sie fest, dass das eigentliche Thema, die Frage nach der Amerikanisierung der jüdischen Gesellschaft, zu kurz kommt. Auf Dachs wirkt es so, als habe Segev eine recht allgemeine Verteidigungsschrift seiner gerade im momentanen gesellschaftlichen Klima oft angefeindeten politischen Position, dem Post-Zionismus, geschrieben: "der Rest ist ein nicht uninteressantes, aber zu kurz gekommenes Beiwerk". Dennoch werde klar, dass Segev diesen Prozess grundsätzlich gutheißt. Denn neben einer Kommerzialisierung habe diese Entwicklung in Segevs Sicht auch "Pragmatismus, Toleranz und Individualismus mit sich gebracht", was zu Zugeständnissen an die Palästinenser führte. Und obwohl es für den Post-Zionismus derzeit nicht gut aussieht, glaube Segev, wie die Rezensentin versichert, an "tiefergreifende Entwicklungen" in der israelischen Gesellschaft, die "langfristig in seine Richtung weisen".
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