Tim Parks

Weißes Wasser

Roman
Cover: Weißes Wasser
Antje Kunstmann Verlag, München 2005
ISBN 9783888973826
Gebunden, 280 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ulrike Becker. In den italienischen Alpen trifft sich eine Gruppe englischer Kajakfahrer zu einem Kurs, bei dem es nicht nur um sportliche Herausforderung, sondern um eine Gemeinschaftserfahrung geht. Alleingänge sind lebensgefährlich. Clive, ein wortkarger, charismatischer Mann, und Michela, seine junge Freundin, leiten den Kurs. Für beide ist diese Arbeit auch Teil ihres Engagements als Globalisierungsgegner, Teil eines Lebens gegen den Strom. Vince, ein Banker, dessen Leben durch den plötzlichen Tod seiner Frau aus der Bahn geraten ist, sind weder die anderen Kursteilnehmer noch das Wildwasserfahren ganz geheuer. Der Fluss konfrontiert alle mit ihren Schwächen und Stärken, provoziert plötzliche Konflikte und unerwartete Allianzen. Eine ideale Liebesbeziehung zerbricht, und eine unmögliche bahnt sich an. Aus einer banalen Meinungsverschiedenheit wird plötzlich Gewalt. Und der Fluss verwandelt sich durch die abschmelzenden Gletscher in einen reißenden Strom.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.08.2005

Das ganze Leben in einer Kajaktour biete und verdichte der jüngste Roman von Tim Parks, lautet die positiv gemünzte Diagnose von Rezensentin Bernadette Conrad. Wieder einmal habe der Autor eine Ausnahmesituation als "existentielles Drama" inszeniert. Eine Gruppe EngländerInnen zwischen 14 und 50 Jahren machen ein achttägiges Wildwassertraining für Fortgeschrittene und sehen sich nicht nur mit lebensgefährlichen Wildwasserpassagen konfrontiert, sondern auch mit all ihren Fähig- und Unfähigkeiten, Hoffnungen und Desillusionierungen. Das ganze (Über-) Lebenspaket ist mit an Bord. Die suggestive Kraft des hochsymbolischen Romans, so die Rezensentin, beruhe darauf, dass es keine "Außenstehenden" gebe, alles werde durch die subjektiven Perspektiven der 'Beteiligten' gespiegelt. Diese Form des Romans sei zugleich sein symbolischer Gehalt. Erkennbar angeregt von der Wildwasserlektüre skizziert die Rezensentin einige der Krisengeschichten um "das richtige und das falsche Leben". Schade sei es nur, wenn während der Lektüre aufgewirbelten "Themen" und "Tiefenschichten" in einem "enttäuschenden Ende" versickern würden. "Es scheint", so die Rezensentin, als habe Tim Parks die "symbolischen Ebenen" nicht genügend zusammengeschnürt, "dieses Mal".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.07.2005

Tim Parks jüngster Roman "Weißes Wasser" gründet auf "Action", ohne dass er dadurch zur bloßen Unterhaltungliteratur würde, stellt Silja Ukena anerkennend fest. Zwar wiegt das Buch, das sich um eine Gruppe von Erwachsenen und Jugendlichen aus England dreht, die an einem Wildwasser-Kajakkurs teilnehmen, "akademisch leichter", als Parks früheren Romane, räumt die Rezensentin ein. Trotzdem lobt sie das Buch als "mitreißende Geschichte", die die "hochinteressanten psychologischen Motive" untersucht, die Menschen dazu bringt, sich in ihrer Freizeit lebensgefährlichen Situationen auszusetzen. Dabei stelle der Autor die "Gefahr", die das "fragile Gebilde" der Gruppendynamik jenseits der extremsportlichen Herausforderungen umgebe, eindringlich dar und lasse den Wildwasserfluss zur "unaufdringlichen facettenreichen Metapher" für die zwischenmenschlichen Konflikte und die "Kraft der Natur werden", lobt Ukena beeindruckt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.07.2005

Christoph Haas ist von diesem Roman, in dem 13 ganz verschiedene Menschen an einer Kanufahrt auf einem Wildwasserfluss in Südtirol teilnehmen, nur mäßig gefesselt. Das Hauptproblem stellt für ihn die Begeisterung des britischen Autors Tim Park für den Kanusport dar. Denn was für den eingeweihten Kanuten spannend ist, nämlich die eingehende Schilderung der sportlichen Abenteuer, ist für "nicht Initiierte" nicht halb so interessant, so der Rezensent etwas ermüdet. Auch die vielen Begriffe aus der Kanutensprache, wiewohl sie einen "gewissen poetischen Charme" verströmen, sind ohne "Glossar" kaum verständlich, beschwert sich Haas. Zudem findet er die Liebesgeschichte, die sich zwischen einem teilnehmenden Bankier und der italienischen Organisatorin der Kanutour entspinnt, "etwas aufdringlich", wie er kritisiert. Einzig, wenn Parks die "Ängste und Probleme" schildert, die den Bankier, dessen Frau unlängst ganz plötzlich gestorben ist, umtreiben, wird das Buch für Haas "interessant". Der Autor deute die "Malaise" des Bankiers mehr an als sie zu beschreiben, was der Rezensent als eigentlichen "Reiz dieser Passagen" hervorhebt. Denn nach Ansicht des Rezensenten "bewährt" sich Parks vor allem dort als "Erzähler", wo er "das Wesentliche verschweigt".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.03.2005

So richtig schlau ist der Rezensent Andreas Merkel aus Tim Parks' jüngstem Roman nicht geworden, wie vielleicht schon die Tatsache nahelegt, dass er ihn einen "Abenteuer-Antiglobalisierungs-Liebes-und-Sport-Roman" nennt. "Weißes Wasser", so Merkel, handelt von einem Kajak-Camp, in dem sich Urlauber zusammenfinden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Schon dieses Setting lässt den Rezensenten aufmerken, schließlich versenkt Parks seinen Leser für gewöhnlich im Gedankenfluss eines "so hochnervösen wie ironischen Ich-Erzählers". Hier habe man es im Gegenteil mit einem "vielstimmigen Chors an Personalperspektiven" zu tun. Bemerkenswert findet der Rezensent dabei "die Ernsthaftigkeit, fast Fairness", mit der der Autor seine Figuren zu Wort kommen lässt, "ohne eine Spur von Ironie", egal wie absurd ihre Aussagen und Ansichten auch sein mögen. Doch diese Aufrichtigkeit wirke sich insgesamt nachteilig auf den Roman aus: Das aufgrund dieser Gleichberechtigung "so vorhersehbar offene" Ende hat den zunächst mitgerissenen Rezensenten nicht nur enttäuscht, sondern auch recht "ratlos" zurückgelassen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.03.2005

In Tim Parks Roman "Weißes Wasser" steht ein Wildwasserfluss in Südtirol im Mittelpunkt, den eine Gruppe von Engländern unter Leitung von Trainer und Betreuern mit Kanus bezwingen will, teilt Maike Albath mit. Indem die Reisenden sich den gefährlichen Stromschnellen aussetzen, lösen sich für sie gleichzeitig drängende "Lebensfragen" Parks interessiere sich zunächst für die Gruppendynamik, insbesondere das wie gewohnt schwierige Geschlechterverhältnis und lasse nicht zuletzt politische und ökologische Probleme einfließen, berichtet Albath. Dies alles sei gut gemacht, psychologisch geschickt inszeniert und insgesamt überzeugend strukturiert, wobei die Auswahl der Protagonisten so etwas wie einen "Zusammenschnitt aktueller, gesellschaftlicher Strömungen" biete. Wohlwollen notiert Albath auch, dass Parks sich auch jeglicher sprachlicher "Verstiegenheiten" enthält und demonstriert, dass er "unterhaltsam von modernen Menschen erzählen kann". Kritik gibt es allerdings doch. "Ästhetisch" habe Parks kaum "Überraschendes" zu bieten, und die politischen Themen wie Globalisierung und Umweltzerstörung, die im Roman zur Sprache kommen, lassen ihn allzu "zeitverhaftet" erscheinen. Schon jetzt wirkt er auf die Rezensentin deshalb "wie ein Leitartikel von Vorgestern". Die dramatische Entwicklung im letzten Drittel des Buches sei zudem arg "konventionell" und absehbar, beschwert sich Albath. Hier werde die "reißende Strömung" zum "gefälligen Plätschern".
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