Thommie Bayer

Das Aquarium

Roman
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783821808956
Gebunden, 335 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

June ist jung, schön und gelähmt. Seit dem Tag, an dem sie in die gläserne Wohnung gegenüber einzog, ist Barry elektrisiert und schaut ihr fasziniert beim Leben zu. Aus dem Halbdunkel seiner selbstgewählten Einsamkeit beobachtet er, wie sie schreibt, schläft, isst, und bewundert ihren Mut, ein Leben ohne fremde Hilfe zu meistern. Er wünscht sich, ihr beizustehen, aber als sie ihn tatsächlich braucht, versagt er. Und dann schreibt sie in dicken roten Buchstaben ihre E-Mail-Adresse an die Wand. Als er sich meldet, erzählt sie ihm die Geschichte ihres Lebens - die Geschichte einer außergewöhnlichen erotischen Obsession. Schritt für Schritt entführt sie ihn in eine Welt, in der sich Phantasie und Wirklichkeit zu einem bizarren Spiel vermischen. Bis aus dem Spiel tödlicher Ernst wird...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.03.2002

Susanne Ostwalds Urteil über diesen Thriller, der sich motivisch an Hitchcocks "Fenster zum Hof" anlehnt, ist schwankend. Meint sie zunächst, dass das Buch den Vergleich mit Hitchcock "nicht zu scheuen" braucht, findet sie dann doch die Konzessionen an den "Zeitgeist" zu "penetrant". Die Dialoge werden von der Rezensentin als "gradlinig" gelobt, die zunehmend dramatischere Handlung dagegen findet sie nicht plausibel. Ostwald lobt das Buch als "stimmiges Sittenbild" des urbanen modernen Menschen, findet aber, dass die Geschichte im Verlauf irgendwie "aus dem Ruder" läuft. Sie fühlt sich durch die "expliziten Sexszenen" etwas abgeschreckt, muss am Ende aber zugeben, dass sie das Buch unter keinen Umständen weglegen konnte, bevor sie es nicht zu Ende gelesen hatte. Also doch ein Lob.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.03.2002

Frank Schäfer lässt kaum ein gutes Haar an Thommie Bayers Roman "Das Aquarium". Da fällt schon mal der Begriff "schnödes, dumpfes Ad-Hoc-Gebrabbel", wenn Schäfer die Cyberprosa aus dem Chatroom beschreibt. Dies ist aber nicht nur auf den Autor, sondern auch auf das generelle Dilemma der realistischen Literatur zurückzuführen. Will man die Realität authentisch darstellen, eben so wie sie ist, dann kommt es meist zu einer einszueins-Adaption des Tatsächlichen, meint Schäfer. Das Ergebnis sei "Sülze". Unternimmt man den Versuch, diese Dokumente sprachlich aufzupeppen, geht dies immer auf "Kosten der Wahrscheinlichkeit", siniert er weiter. Als "pure Kolportage" bewertet er die Rahmengeschichte, die wenigstens einen narrativen Zusammenhang für die Cyberbeziehung der beiden Hauptfiguren darstellt und beweist, dass der Autor die Techniken des "herkömmlichen Erzählens" wirklich beherrscht. Ganz nett zu lesen, meint der Rezensent, viel mehr schon nicht.
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