Thomas Rid

Maschinendämmerung

Eine kurze Geschichte der Kybernetik
Cover: Maschinendämmerung
Propyläen Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783549074695
Gebunden, 496 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Michael Adrian. Sind wir auf dem Weg in eine schöne neue Cyberwelt? Vernetzte Haushaltsgeräte und selbstfahrende Autos könnten bald so alltäglich sein wie permanentes Lifelogging und Maschinen, die unsere Gedanken lesen. Wie ist es eigentlich dazu gekommen? Wie wurden Maschinen nicht nur Ersatz für unsere Muskelkraft, sondern ein unverzichtbarer Begleiter, dem wir sogar das Denken überlassen? Kontrollieren wir noch unsere Maschinen, oder kontrollieren sie längst uns? In seiner spannenden Kulturgeschichte der Kybernetik schildert Thomas Rid, international renommierter Sicherheitsexperte, die erstaunliche Entwicklung der Kybernetik, eine der Kernideen des 20. Jahrhunderts. Sie begann in den Bombentrümmern des Zweiten Weltkriegs und speiste weitreichende Mythen über eine digital vernetzte Zukunft - von psychedelischen Entdeckungsreisen in den künstlichen Raum hinter dem Bildschirm bis hin zu automatisierter Flugabwehr, bewaffneten Cyborgs und aggressiver Datenspionage.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.09.2016

Oliver Pfohlmann wird nicht ganz glücklich mit Thomas Rids Geschichte der Kybernetik. Dabei liest der Rezensent durchaus mit Interesse und auch Gewinn, wie der Mathematiker Norbert Wiesner mit seinen maschinellen Steurungstheorien das amerikanische Militär und dessen Informatik-Vordenker John von Neumann beeinflusste. Problematisch findet Pfohlmann allerdings die beiden Grundmuster, die Rid in der Kybernetik ausmache: den Vorsprung fantastischer Vorstellungen vor den realen Möglichkeiten einerseits und die Rivalität von militärisch geprägter Ostküste und libertärer Westküste andererseits. Die Realität habe die Fantasie längst eingeholt, fürchtet Pfohlmann, und so weit lägen Ost- und Westküste heute auch nicht mehr auseinander. Dass Rid seine Geschichte Ende der neunziger Jahre beendet, lässt in den Augen des Rezensenten zudem ebenso vieles unberücksichtigt wie die Konzentration auf die USA.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.06.2016

Rezensent Michael Hagner befasst sich mit Thomas Rids Versuch einer Geschichte der Kybernetik und stellt fest: Das Buch ist kurzweilig, kenntnisreich und plausibel, jedoch allenfalls ein Abriss. Schon weil der Autor sich auf die USA beschränkt, ihre Geheimdienste und Edward Snowden aber nicht vorkommen, meint er. Vor allem aber entdeckt Hagner eine "wissenschaftshistorische Leerstelle", wenn der Autor sich bei der Behandlung seines Themas auf Militärforschung, Mythos und utopische Erlösungsphantasien einschießt und Disziplinen wie Ökonomie, Molekularbiologie, Hirnforschung, Linguistik und die Humanwissenschaften wie auch die stärkere Verschränkung von digitaler Praxis und Mythos seit den 90er Jahren außer Acht lässt. Kybernetik als Lifestyle-Geschichte amerikanischer Cyberhippies, wie Rid sie schreibt, das scheint dem Rezensenten doch eine arg enge Perspektive zu sein.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.06.2016

Auch als Nicht-Nerd fühlt sich Rezensent Johannes Boie von Thomas Rids "Maschinendämmerung", einer nicht ganz so "kurzen" Geschichte der Kybernetik, umfassend informiert und bereichert. Er lernt, woher der Begriff "Cyber" kommt und wie sich unsere "Cyberwelt" zu dem entwickeln konnte, was sie heute ist. Dass sich diese Fragen nicht auf ein paar Seiten abhandeln lassen, sondern eines weit gespannten Erzählbogens bedürfen, leuchtet Boie ein. Allein Rids These, die Geschichtsschreibung versäume es allzu oft, den einflussreichsten technischen Ideen Rechnung zu leisten, will dem Kritiker nicht ganz einleuchten.
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