Lose Blattsammlung im Pappkarton. Von Georg Klein, Schuldt, James Tate und anderen. Illustriert von Juan M. Echavarria und anderen. Über nationale und mentalitätsgeschichtliche Grenzen und klaffende Abgründe hinwegspringen will dieses Projekt, das sich in seiner äußeren Getalt zwischen Zeitschrift, Buch und Kunstobjekt positioniert hat. Es handelt sich um die aufwendig erstellte Lose Blätter-Sammlung einer jungen Autoren-Gruppe, die in Zusammenarbeit mit einem internationalen Redaktionsteam ein Forum für junge internationale Kunst und Literatur geschaffen haben. Wer diese Kunst-Schachtel öffnet, findet darin nicht gähnende Leere, sondern Gedichte, erzählende Prosa, dramatische Fragmente, grafische Arbeiten, Collagen und Kaltnadel-Arbeiten auf über hundert Blättern. Das nicht-hierarchische Literatur- und Kunstverständnis der Herausgeber gibt dem Leser nicht vor, in welcher Reihenfolge er sich mit den Blättern zu beschäftigen hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.09.2001
Keine Bücher werden hier angepriesen, sondern Schachteln mit Blättern: wahre Schatzkisten sind das, freut sich Thomas Poiss, die einen "Sog" ausüben, der den Leser jede Schachtel "bis zum Grund durchwühlen" lässt. Und so sehen die Schachteln aus: Titel auf dem Karton, Vorwort im Deckel, Mitarbeiterverzeichnis auf dem Boden. Im Karton findet man Gedichte, Erzählungen, Grafiken und Fotos und ein "Gimmick" als Zugabe, zum Beispiel eine limitierte Fotografie von J.M. Echevarria. Vor allem Schachtel Nr. 10, gefüllt "mit Jubel" hat es dem Rezensenten angetan. Er beschreibt den Inhalt wie eine Wundertüte: Sprachspiele von Rainer Stolz finde man hier ebenso wie die "beliebten Softpornogedichte" von Ulrike Draesner, Haikus von Charles Henri Ford oder eine Zeichnung von Alain Pilon. "So viele unerhörte Stimmen und unbekannte Handschriften" kann man sonst nirgends zusammen finden, lobt Poiss. Unverständlich findet er nur eines: dass kein Geldgeber die Nr. 10 gefördert hat.
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