Arthur Schnitzlers "Reigen": einer der größten Skandale der Theatergeschichte. Regisseure brachten den "Reigen" immer wieder auf die Bühne, oft mit einem übertriebenen Schwerpunkt auf den Liebesakt, der in jeder Szene vorkommt - gerade das, was der Autor nicht wollte. Hier haben zehn namhafte zeitgenössische Autorinnen und Autoren die zehn Szenen des "Reigen" neu geschrieben und zwischen modernen Paaren spielen lassen. Illustriert werden sie von zehn bisher unveröffentlichten Bühnenfotos der Wiener Uraufführung. In den Gesprächen vor und nach dem Geschlechtsakt treten die meist vergeblichen Hoffnungen der Liebhaber zutage - manchmal humorvoll, aber oft genug mit bitterer Tragik. Mit Beiträgen von Daniela Chana, Alexander Estis, Anna Fercher, Katharina Ferner, Lorena Pircher, Judith Nika Pfeifer, Stefan Reiser, Gregor Schima und Zarah Weiss sowie einem Vorwort von Michaela Pfundner (ÖNB).
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2023
Arthur Schnitzlers Bühnenstück "Reigen", dessen zehn Dialoge sich um ebenso viele Affären drehten, die selbst freilich nicht mitaufgeführt wurden, wurde seinerzeit ob der verbalen sexuellen Eindeutigkeit zum Skandal, führt Rezensent Andreas Platthaus aus. Der von Max Haberich und Thomas Ballhausen herausgegebene Band greift nun Schnitzlers Strukturprinzip auf, verteilt die Dialoge allerdings, lernen wir, auf sechs Autorinnen und vier Autoren der Gegenwart. Das Themenspektrum, heißt es weiter, wird auf den Liebesdiskurs der Jetztzeit angepasst, weshalb unter anderem auch gleichgeschlechtliche Paare zu Wort kommen. Einigen der Beteiligten sind schöne komödiantische Formen gelungen sind, gleichzeitig werden aber auch andere Theatergenres aufgerufen, lobt der Kritiker, der auch die dem Band beigegebenen Fotografien der historischen Wiener Erstaufführung gern betrachtet hat.
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