Thea Dorn

Die Brut

Roman
Cover: Die Brut
Goldmann Verlag, München 2004
ISBN 9783442545667
Gebunden, 414 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Tessa Simon steht ganz oben: schön und erfolgreich, das Leben fest im Griff. Und sie hat alles: den Traumjob als Talk-Show-Moderatorin, die Titelgeschichten in Lifestyle-Magazinen, und die Liebe ihres Lebens ist noch ganz frisch. Ein Kind passt da ausgezeichnet ins Bild. Auch wenn das Mutterglück nicht frei von Schönheitsfehlern ist - Baby Victor schreit Tag und Nacht, der Vater ist weniger enthusiastisch als versprochen, und ein kleiner Quotenknick macht die Produzenten nervös - steckt Tessa das, wie gewohnt, kompetent und souverän weg. Als Victor allerdings von der Dachterrasse stürzt, vielleicht sogar durch ihre Schuld, droht ihr Leben von einer Schmutzkampagne der Boulevardpresse zerstört zu werden. Doch so leicht lässt Tessa sich von dem hart erkämpften Platz im Rampenlicht nicht verdrängen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.04.2004

Der neue Roman von Thea Dorn ist der Inbegriff eines postfeministischen Krimis, schwärmt Verena Mayer; anders als in den vorgehenden, in denen die Bemühungen der Frauen, es mit den Männer an Bösartigkeit aufzunehmen, etwas Angestrengtes gehabt hätten. Diesmal, so Mayer, sind gar keine Gewaltexzesse nötig, ja, lange Zeit passiere gar nichts, die Dramaturgie gleiche einer Infektion, die sich schleichend in den Körper einniste und deren erste Symptome ignoriert würden. Der Alltag einer Fernsehmoderatorin steht im Mittelpunkt; diese wird schwanger und lässt ihr Karriere und Beziehungen störendes Kind - so deutet es Verena Mayer zumindest an - eines Tages verschwinden. Bei Dorn, die ihr Pseudonym völlig unbekümmert von Adorno abgeleitet habe, gehe es nicht einfach nur um Diskriminierung und Gleichberechtigung von Frauen, diese Phase haben die Dreißigjährigen längst überwunden beziehungsweise gar nicht mehr erlebt, vermutet Mayer; bei Dorn geht es um die "Superfrauwerdung", lautet ihre These. Die Superfrauen nehmen sich einfach, was sie wollten, frohlockt die Rezensentin; da habe das Verbrechen keine psychologische Motivation mehr nötig, sondern denselben Stellenwert wie ein Auslandssemester im Lebenslauf: "es bringt einen weiter oder es war einem gerade danach".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2004

Literarisch versierter Thriller und stichhaltig-präzise Mediensatire - Friedmar Apel stellt Thea Dorn für ihren neuesten Krimi, "Die Brut", beste Noten aus. Dargestellt wird, "hinreißend verächtlich und ressentimentgeladen", der Aufstieg einer jungen Frau im Fernsehbusiness, die Kälte, Härte und Verlogenheit jener Welt. Aber wie das geschieht, das sei eben das Aufsehenerregende; der Bogen der Anspielungen reiche von barocker Lyrik über Goethe und Shakespeare "bis zu Hertha Kräftner". Als die junge Erfolgreiche Mutter wird, eine von der Boulevardpresse behechelte "Hochglanzikone der erfolgreichen Frau", zeigt sich bald, dass mit der Leibesfrucht etwas nicht stimmt ... Was das ist, das liest man, daran lässt Apels Rezension keinen Zweifel, am besten selbst nach! Denn die Auflösung sei "eine von Goethes 'Wahlverwandtschaften' inspirierte, waghalsige und groteske, aber stimmige Konstruktion in logischer und literarischer Präzisionsarbeit."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.02.2004

Tobias Gohlis' Rezensentenfantasie scheint mächtig angeheizt worden zu sein von Thea Dorns "kalt geschmiedetem Meisterstück", das er für etwas zu lang, dafür aber "ziemlich scharf" hält. Jedenfalls wirft Gohlis mit Metaphern und Vergleichen nur so um sich, wenn er den Krimi beschreibt. "Verdächtig lautlos", wie bei einer Edelkarosse, gehe es 300 Seiten lang dahin, "so glatt gefeilt, so fein poliert, so glänzend schlüpfrig", das der Leser gar nicht wisse, auf was das alles hinauslaufen soll. Spannend und "raffiniert" werde es dann plötzlich, wenn alles schief läuft im Leben der erfolgreichen Journalistin, wenn sie selbst nicht mehr unterscheiden kann, was Einbildung, was Wirklichkeit ist. Ihr Leben geht plötzlich in die Brüche, gerät zu einem Wirrwarr aus Halbwahrheiten und Verdächtigungen, bis sich schließlich das durch "lauter kleine Vorverweise" "sorgsam aufgeladene" Finale entfaltet. Gohlis ist begeistert von der kaltblütigen Autorin, die zuerst so klischeekonform schreibe, um dann niemanden ungeschoren zu lassen: nicht die Mütter, nicht die Medien, und schon gar nicht die schönen Schauspieler oder "Söhne namens Victor".
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