Terezia Mora

Der einzige Mann auf dem Kontinent

Roman
Cover: Der einzige Mann auf dem Kontinent
Luchterhand Literaturverlag, München 2009
ISBN 9783630872711
Gebunden, 384 Seiten, 21,95 EUR

Klappentext

Der einzige Mann auf dem Kontinent" erzählt eine Woche im Leben von Darius Kopp. Er ist Anfang vierzig, verheiratet und einziger Vertreter einer US-amerikanischen Firma für drahtlose Netzwerke. Darius sieht sich als Gewinner der neuen Zeit. Er stammt aus der DDR, war als Informatiker nach deren Zusammenbruch ein gefragter Mann und legt Wert darauf, ein zufriedener Mensch zu sein. In letzter Zeit laufen die Geschäfte allerdings mehr schlecht als recht. Eines Tages lässt ein säumiger Kunde eine Pappschachtel mit Geld in seinem Büro liegen. In der Folge versucht Darius Kopp vergeblich, einen seiner Chefs in London oder Los Angeles zu erreichen, um zu beraten, was mit dem Geld geschehen soll. Fast scheint es, als gebe es die Firma überhaupt nicht mehr...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.10.2009

"Salopp" und "durchaus flapsig" kann Terezia Mora auch erzählen, stellt Roman Bucheli, dem in Moras Erstling noch die ausgeprägte Sprachkraft beeindruckt hatte, mit diesem Roman fest. Diese Flapsigkeit gefällt ihm denn auch recht gut, gerade auch weil der Roman sich dadurch dynamisch und rasant liest, was durch die häufig wechselnden Perspektiven zwischen Innen- und Außensicht noch verstärkt wird. Dabei erscheint ihm die Geschichte um den übergewichtigen IT-Experten Darius Kopp mitunter nicht nur spotthaft, sondern auch boshaft - allerdings bei gleichzeitigem Verständnis für die naive Menschlichkeit des Protagonisten. Die Ohnmacht Kopps als Einzelner gegenüber den Ereignissen macht für Bucheli denn auch das zentrale Thema des Romans aus. Allerdings gereicht das Buch nicht zu einer umfassenden Beschreibung der Krise, dafür stehen die persönlichen Probleme der Figuren zu sehr im Vordergrund.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.10.2009

Rezensent Michael Stallknecht findet zwar vieles an Terezia Moras neuem Buch durchaus unterhaltsam, doch am Ende dieser Geschichte beißt sich die Katze seiner Meinung nach in den Schwanz. Denn letztlich wird "noch mehr Privates als Waffe gegen die Globalisierung" angeboten - und Stallknecht zweifelt, ob die Autorin wirklich darauf hinaus wollte. Auch die Umsetzung von Moras eigentlich guter Idee - die ganz undramatische Auflösung eines Menschen in einer "grenzenlosen Welt" zu beschreiben - ist in den Augen des Rezensenten "handwerklich schwierig", weil die Autorin permanent gegen die dramaturgischen Erwartungen der Leserschaft kämpfen muss. Trotzdem konnte sich Stallknecht immer wieder an sehr geistreichen Passagen erfreuen, vor allem die "Dialoge, in denen sich im blitzschnellen Wechsel zur Ich-Perspektive Gefühltes und Gedachtes an Gesprächskonventionen abarbeiten", findet der Rezensent sehr gelungen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2009

"Wenn das Wort 'Gegenwartsroman' stimmt, dann hier", befindet Rezensentin Verena Auffermann über dieses Buch, das sie aufregend und zugleich nüchtern und vielstimmig findet. Es geht, lesen wir, um einen Händler für drahtlose Datenkommunikation, womit das Buch auch mitten in den "Vordschungel" der New Economy führe, in eine Businesswelt, die von "Männerfreundschaften, Biertrinken, Handytastendrücken" regiert wird. Der Held, Darius Kopp, erscheint Auffermann dabei ebenso als Mann von morgen (was seinen Beruf) wie als Mann von gestern (was seine Ehe angeht). Die Rezensentin betrachtet ihn als Verwandten so berühmter Verlierer wie Tschechows Onkel Wanja, Melvilles Schreiber Bartleby oder Gontscharows Oblomow. Für Auffermann ist er ein "armes Schwein", übergewichtig, gutmütig, aber plump. Sie bewundert, wie Mora ihn genau, aber doch aus sehr großer Distanz beschreiben kann. Man spürt in jeder Zeile dieser Kritik, wie überlegen die Rezensentin sich Kopp fühlt und fragt sich, ob das dem Roman anzulasten ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.09.2009

Maike Albath hat mit "Der einzige Mann auf dem Kontinent" einen hochkomischen Roman gelesen. Angetan ist sie vom Protagonisten Darius Kopp, einem korpulenten und Schweiß aussondernden Faulenzer, der als Diplom-Informatiker sein Geld verdient und für Albath einen "Helden unserer Zeit" darstellt, mit Anleihen bei Gontscharows Oblomow und Falladas Pinneberg. Treffend findet Albath Moras mitunter parodistische Milieustudien, besonders jene vom Potsdamer Platz, an dem Kopp arbeitet. Auch die Rhythmik in Moras Stil und die häufigen Perspektivwechsel sieht Albath als Stärke des Buchs, so dass sie abgesehen von einer im Vergleich zum Vorroman etwas geringer ausfallenden Detailgenauigkeit dieses Buch nur loben kann.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.08.2009

Rezensentin Wiebke Porombka schätzt Terezia Mora spätestens seit ihrem Romandebüt "Alle Tage" als eine der "bemerkenswertesten Erzählerinnen der Gegenwart". Auch der neue Roman "Der letzte Mann auf dem Kontinent" über den ebenso liebenswürdigen wie überheblichen IT-Mann Darius Kopp, einen dicklichen Mittvierziger, Anzugträger und einzigen Vertreter einer US-amerikanischen Firma für drahtlose Kommunikation, der seine Tage mit ziellosem Surfen im Internet verbringt, hat sie überzeugt. Kopp lässt sich ihres Erachtens als "symptomatische" Figur für das frühe 21. Jahrhundert, der Roman als "mentale Kartografie unserer Zeit" deuten. So gesehen erinnert sie Moras Roman gar an Robert Musils "Mann ohne Eigenschaften", dessen Zeitdiagnose sich überraschend mit der "heutigen, virtuell aufgeweichten Wirklichkeit" treffe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2009

Ein Geschäftsmann hat einen seltsamen Traum, aber im Wachen ergeht es ihm keineswegs besser. Er arbeitet für eine "Netzwerkfirma", aber nichts in seinem Arbeits- und Privatleben geht seinen geregelten Gang. Angesiedelt hat Terezia Mora diese Geschichte des Darius Kopp im September des Jahrs 2008, die Bezüge zum Finanzkrisen-Drama sind laut Rezensent Tilman Spreckelsen spürbar, aber niemals explizit. Der Clou, der dies Buch für Spreckelsen zu großer Literatur macht, ist einer der Perspektive: Mora nämlich folge ganz ihrem Helden und präsentiere seine Welt immer schon verpackt in die Gedanken, die er sich über sie macht. So aber wird die Grenze zwischen Wirklichkeit und Einbildung immer diffuser. Hinzu komme der virtuose Variantenreichtum von Moras Sprache, der den Roman zum "überwältigenden" Leseerlebnis mache.
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