Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783518432174 Gebunden, 236 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Serbokroatischen von Masa Dabic. Über die Absurditäten des Theateralltags. Jung ist sie, Dina, die Dramaturgin, die mit gerade einmal 30 Jahren eine der renommiertesten Stellen am serbischen Nationaltheater in Belgrad antritt, nämlich die Leitung der Sparte Schauspiel. Das Nationaltheater hingegen ist alles andere als jung und das ziemlich konservative kulturelle Aushängeschild eines oft noch ziemlich konservativen Landes. Was als Erfolgsgeschichte für Dina beginnt, wird zur fulminanten Mesalliance.Nationaltheater verwebt ein Schicksalsjahr in der Biographie einer ambitionierten jungen Frau mit der Geschichte einer Institution. Beide eint die jüngere Vergangenheit, die von historischen Verwerfungen, dem Zerfall Jugoslawiens und Krieg geprägt ist. Und auch die Gegenwart hat es in sich: Der Theaterkosmos ist Biotop für allerlei bizarre Storys, die permanent von den Mitarbeitenden des Theaterkosmos produziert werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.06.2026
Ein Theatergebäude als Brennpunkt für historische Umwälzungen in den Blick zu nehmen, das scheint Rezensent Konrad Muschick schon prinzipiell sinnig zu finden. Und wie Tanja Šljivar das dann konkret umsetzt, gefällt ihm auch gut: Angelehnt an die eigene Biografie erzählt die serbische Autorin von der jungen Dina, die als neu ernannte Schauspieldirektorin des Belgrader Nationaltheaters gegen die Mauern einer altehrwürdigen Institution anrennt, mit Machtverhältnissen, Intrigen und der Vereinbarkeit mit dem eigenen Privatleben ringt. Dabei werden anhand des Gebäudes, etwa am Theaterbalkon, die Geschichte und ideologischen Grabenkämpfe aufgezeigt, die sich bis heute fortsetzen; es geht um hochtrabende Diskussionen über die "richtige" sozialistische Darstellung, um interne Widersprüchlichkeiten, den Zerfall Jugoslawiens oder um Tito. Das eigentlich Spannende ist für den Kritiker aber Šljivars Zugang zu diesen schweren Themen, der überraschend "leicht" ausfalle: mit einer "ebenso scharfen wie liebevollen ironischen Distanz" und einem Hang zum Grotesken und Surrealen. Auch wenn dabei nicht alles gleichermaßen komplex ausfalle, spricht Muschik von einer "erfrischenden Entdeckung".
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