Aus dem Amerikanischen von Reinhard Brenneke. Charlotte von Kirschbaum war nicht nur Karl Barths Sekretärin, sondern seine engste Mitarbeiterin und Lebensgefährtin während mehr als 30 Jahren. Dieses Buch ist die erste wissenschaftliche Studie, die nicht nur die persönlichen, von vielen Spekulationen umgebenen biographischen Umstände erforscht und ein adäquates, kritisches und einfühlsames Bild dieser Beziehung zeichnet, sondern Charlotte von Kirschbaum als eine eigenständige Denkerin und Theologin darstellt. Die Autorin Suzanne Selinger - Feministin, Barthianerin und Historikerin - hat die biografischen Dokumente und Charlotte von Kirschbaums theologisches Werk studiert, bislang unveröffentlichte Quellen genutzt und Zeitgenossen befragt. Dabei betrachtet die Autorin insbesondere die Machtverhältnisse, verdeckte patriarchale Traditionen und die feministische Kritik an Karl Barth. Eine Studie, die dem theologischen Anliegen von Kirschbaums und Barths gerecht wird, indem sie deren theologische Motive ernst nimmt, sie aber auch in ihren damaligen Kontext stellt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.08.2004
Charlotte von Kirschbaum war die jahrzehntelange Lebensgefährtin des Theologen Karl Barth, zugleich seine Assistentin, auf die der verheiratete Mann meinte, nicht verzichten zu können, wie uns Hanno Helbling aufklärt, weshalb Barth sie seiner Familie als Hausgenossin aufzwängte. Eine unangenehme Position, wie man sich vorstellen kann, und eine ungewöhnliche und unkonventionelle Existenz, über die auch Suzanne Selingers Studie laut Helbling nicht richtig Auskunft gibt oder geben kann. Auf dünnem biografischen Boden bewegt sich seines Erachtens ihre Annahme, dass die christologischen Wandlungen, die Barths Denken in den Jahren 1938 bis 1948 erfahren hat, auf den Einfluss von Kirschbaums zurückzuführen sind. Konkreter werde es erst, wo sich Selinger auf schriftliche Äußerungen von Kirschbaums selbst beziehen kann. So hat von Kirschbaum sich 1949 mit der Schrift "Die wirkliche Frau" zu Wort gemeldet und sich darin auch von Barth zumindest inhaltlich emanzipiert, indem sie seiner Mariologie ein nüchternes "Wir wollen weniger erhoben sein" entgegensetzte. Eine konkrete Lokalisierung der Persönlichkeit dieser ungewöhnlichen Frau steht für Hanno Helbling noch aus.
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