Aus dem Französischen von Uta Goridis. Suzanne Césaires Werk umfasst sieben Essays, geschrieben für die von ihr mitbegründete Zeitschrift Tropiques 1941 bis 1945 in Martinique, in den schwierigen Jahren der "Dissidenz", des Widerstands gegen das autoritäre Vichy- Regime, dem auch ihre karibische Heimatinsel unterstand In jedem Essay geht sie der Trope, dem Bild der Maske in einer anderen Facette nach, arbeitet jeweils den blinden Fleck und einen Imperativ der Erkenntnis heraus. Sie entlarvt Assimilation als Selbstverleugnung, bürgerliche Konventionen als erzwungene Anpassung - als Teile der "großen Maskerade": Gegen die Anpassung an die Herrschenden setzt sie die Neuschaffung von postkolonialen Identitäten. Sie fragt nach der Rolle von Literatur und Kunst bei der Ausbildung der Identitäten. Im Surrealismus, seiner Suche nach einem neuen Imaginären, sieht sie einen Weg, aus der Sackgasse der Täuschung herauszukommen. Ein anderer ist die Négritude, jene Bewegung, die den beleidigenden Ausdruck aufnimmt und kämpferisch verkehrt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 30.11.2023
Eine "faszinierende literarische Entdeckung" macht Rezensent Ingo Arend mit dem Essay-Band der Dichterin Suzanne Césaire aus Martinique. Ihren Mann, den afrokaribischen Literaten Aime Césaire, lernte sie während ihres Studium in Paris kenne, weiß Arend. Sowohl kulturelle als auch politische Themen verhandelt die Schriftstellerin in den sieben hier versammelten Essays, mit der surrealistischen Poesie André Bretons setzt sie sich ebenso auseinander, wie mit der "Negritude", die damals den Rückbezug auf "afrikanische Kulturtraditionen" vertrat, so der Kritiker. Als eine der ersten kritisierte Suzanne Césaire die Gräuel der Kolonialisierung, erläutert Arend, der diese "markante Essayistin" gerade in Bezug auf die aktuellen Diskussionen über Postkolonialismus empfiehlt.
Zum ersten Mal auf deutsch kann Kritikerin Nora Karches das Werk von Suzanne Césaire entdecken, die gemeinsam mit ihrem Mann Aimé Anhängerin und Begründerin der négritude-Bewegung war, die nach einer spezifisch schwarzen, postkolonialen Poetik sucht. Erste Ansätze lassen sich in den hier vorliegenden Essays lesen, die für Karches gar nicht so leicht einzuordnen sind, hat die Autorin sie doch vielfach unter Zensurbedingungen verfasst. Spannend wird es für die Rezensentin besonders dann, wenn Césaire postkoloniale Theorien etwa von Frantz Fanon vorwegnimmt und das "unbarmherzige Licht der Ereignisse" auf die Untaten des Kolonialismus wirft. Dass nach 1945 ihr Mann und nicht sie Karriere gemacht hat, hat vielleicht mit patriarchalen Strukturen zu tun, mutmaßt Karches abschließend zwischen den Zeilen.
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