Sunil Amrith

Brennende Erde

Eine Geschichte der letzten 500 Jahre
Cover: Brennende Erde
C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN 9783406829277
Gebunden, 505 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Mit 38 Abbildungen und 10 Karten. Wie der Planet die Menschen geformt hat und die Menschen den Planeten - eine neue Globalgeschichte der Erde. In diesem Buch fügt der junge Historiker Sunil Amrith die Geschichten der Umwelt und der Imperien, der Genozide und der Ökozide, der Expansion menschlicher Freiheit und ihrer planetarischen Kosten zusammen. Ergreift auf eine Vielzahl von Quellen zurück und blickt auf die Hinterlassenschaft des portugiesischen Silberbergbaus in Peru ebenso wie auf die britische Jagd nach Gold in Südafrika oder die Ölextraktion in Zentralasien. Er erkundet Seewege, Schienen und Autobahnen, die Menschen an neue Orte gebracht haben, wo sie einander bekämpften oder sich die widerständige Natur unterwarfen. Sein Buch zeigt, dass wir einen anderen Blick auf unsere Geschichte gewinnen müssen, wenn wir die Weisheit erlangen wollen, die Erde zu retten. Die erdumspannende Jagd nach Profit, kombiniert mit neuen Formen der Energie und neuen Möglichkeiten, Hunger und Mangel zu überwinden, hat ebenso wie die Freiheit, sich überall zu bewegen und die Welt zu erkunden, jeden Quadratzentimeter auf diesem Planeten verändert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.07.2025

Wie eng Fortschritt und Umweltzerstörung verwoben sind, zeigt Historiker Sunil Amrith in seinem "klugen, gut geschriebenen und sehr wichtigen" Buch, wie Rezensent Joachim Käppner betont. Über 500 Jahre globaler Umweltgeschichte spannt Amrith den Bogen - von Kolonialismus und Industrialisierung bis zu heutigen Formen ökologischer Ungleichheit. Dabei richtet er den Blick auch auf oft übersehene Kontexte, etwa den zerstörerischen Umgang der Mongolen mit der Natur oder Maos "Krieg gegen die Spatzen", der eine Insektenplage nach sich zog, erfahren wir. Besonders überzeugend: Amrith meidet simple Schuldzuschreibungen und benennt stattdessen den "technologischen Fortschritt" als zentrale Triebkraft, staunt der Kritiker. Amriths Fazit, so Käppner zuletzt, ist hoffnungsvoll, aber klar: "Es gibt kein 'uns' ohne die Welt." 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.07.2025

In einer eher oberflächlichen Lesenotiz feiert Elisabeth von Thadden dieses Buch des in Yale lehrenden Historikers als eine niederschmetternde Registerarie der (westlichen) Umweltsünden. Amrith frage, woraus die menschliche Sehnsucht nach Freiheit komme, die unweigerlich zu einer "brennenden Erde" geführt habe. Und wie er erzählt!, ruft die Rezensentin emphatisch, die das Buch merkwürdigerweise als Ferienlektüre empfiehlt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 28.03.2025

Wichtig mit Abstrichen findet Rezensentin Dagmar Röhrlich Sunil Amriths globale Umweltgeschichte. Wirklich global ist das Buch schon mal nicht, schränkt die Rezensentin ein, denn der Historiker fokussiert sich vor allem auf die Umweltsünden und die Gier westlicher Imperien. Tragfähige Lösungen bietet er auch kaum an, kritisiert sie. Davon abgesehen offeriert der Band laut Röhrlich einen faszinerenden, fesselnd ins Wort gesetzten Blick auf den gesellschaftlichen Wandel und die Umweltveränderungen der letzten 500 Jahre. Von Amrith herangezogene Biografien, wie die von Indira Gandhi oder Hannah Arendt, und ihre Rolle bei der Etablierung eines neuen, anderen Denkens wirken für Röhrlich veranschaulichend.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2025

Rezensentin Petra Ahne kann dieses Buch gar nicht mehr weglegen, so spannend findet sie es. Sunil Amrith stellt darin dar, wie die Menschheit in den letzten 500 Jahren im Namen der Naturbeherrschung ihre eigenen Lebensgrundlagen immer mehr zerstört hat, und sie nimmt dabei, freut sich Ahne, tatsächlich die ganze Welt in den Blick. Besonders angetan ist Ahne davon, wie es Amrith gelingt, eine genaue Darstellung von Einzelfällen mit dem Großen und Ganzen zu verbinden, der Historiker zeigt auf diese Weise auf, dass die Versprechungen der Modernisierungsbefürworter, das Leben der Menschheit zu verbessern, immer nur selektiv gehalten wurde und außerdem schwere Umweltschäden nach sich zog. Ahne geht auf einige der Zusammenhänge, die der Historiker Amrith offenlegt, näher ein, unter anderem auf eine Passage, die die Interventionen Hannah Arendts, Indira Ghandis und Rachel Carsons zusammendenkt. Nur wenn es darum geht, Perspektiven für einen besseren Umgang mit der Zukunft zu eröffnen, fällt Amrith nicht gar so viel ein, meint die in dieser Hinsicht enttäuschte Rezensentin: Computerspiele, die zu besserem Umgang mit der Umwelt anhalten erwähnt der Autor, aber das kann doch nicht alles sein, meint die Kritikerin. Am positiven Gesamteindruck, den das Buch bei Ahne hinterlässt, ändert dieser Einwand allerdings nichts.

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