Stephan Malinowski

Vom König zum Führer

Sozialer Niedergang und politische Radikalisierung im deutschen Adel zwischen Kaiserreich und NS-Staat. Diss.
Cover: Vom König zum Führer
Akademie Verlag, Berlin 2003
ISBN 9783050035543
Gebunden, 660 Seiten, 59,80 EUR

Klappentext

In Lampedusas Roman "Der Leopard" lässt der adlige Autor seinen sizilianischen Roman-Fürsten Salina einen seither berühmten Satz über den Rückzug des Adels sprechen: "Wir waren die Leoparden, die Löwen: unseren Platz werden die kleinen Schakale einnehmen, die Hyänen." Stephan Malinowski untersucht in seinem Buch, ob sich diese Metapher auf die Schlusskapitel der deutschen Adelsgeschichte übertragen lässt. Für den deutschen Adel war der Weg vom König zum Führer weit und alles andere als selbstverständlich. Der Autor stellt in seinem Buch den Entwicklungsprozess dar, in dem sich unterschiedliche Gruppen des Adels von den traditionellen Leitbildern des Konservativismus ab- und einer neuformierten Rechten zuwandten, die weitgehend außerhalb des Adels entstanden war. Der soziale Niedergang, verbunden mit der zunehmenden Auflösung der traditionellen adligen Lebenswelten, und die politische Radikalisierung großer Teile des Adels werden als zwei eng miteinander verknüpfte Prozesse interpretiert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.09.2003

Voll des Lobes ist der Historiker Heinrich August Winkler für Stephan Malinowskis Dissertation über die nationalsozialistische Verstrickung des deutschen Adels, von der er sich eine gewisse Furore in der eigenen Zunft verspricht. Denn noch nie sei "das Scheitern des deutschen Konservatismus" -in Kaiserreich, Weimarer Republik und im Nationalsozialismus - "so quellennah und so scharfsinnig" dargestellt worden, wie Winkler unterstreicht. Konsequent räumt Malinowski mit der so lange und gern gepflegten Legende auf, zwischen dem preußischen Adel und den vulgären Nationalsozialisten hätte es einen unüberwindlichen Gegensatz gegeben, wie Rezensent Winkler darstellt: "Der typische Adlige war in den Jahren des 'Dritten Reiches' kein Widerstandskämpfer, sondern eine Stütze des Regimes" - sei es als nationalsozialistischer Parteigänger oder als SS-Kader. In Bezug auf den ostelbischen Kleinadel spricht Winkler sogar von einer regelrechten Wahlverwandtschaft. Dass es Malinowski nicht beim Befund belässt, sondern den vom sozialen Niedergang gezeichneten Weg des Adels in die antidemokratische, antibürgerliche und antisemitische Radikalisierung beleuchtet, überzeigt Winkler dann noch umso mehr von dieser Studie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.08.2003

Als "glänzende Analyse" bezeichnet Rezensent Eckart Conze diese Studie von Stephan Malinowski. Sie sei die "bislang umfassendste Untersuchung des Verhältnisses von Adel und Nationalsozialismus", betonte er. Der Autor setze sich in seinen Ausführungen vorwiegend mit der Gruppe des Kleinadels und des Adelsproletariats auseinander, die er klar als "eindeutige Verlierer von Modernisierungsprozessen des 19. Jahrhunderts" entblöße. Er schaffe es, glaubhaft seine These zu vertreten, dass der Adel nicht prinzipiell als die "manipulationsmächtige Kraft" zu sehen ist, die letztendlich den Vorstoß der Nazis ermöglichte, bemerkt der Rezensent. Ganz im Gegenteil, sie hätten "keine treibende, sondern eine getriebene Kraft" in den Zeiten "soziopolitischer Radikalisierung" dargestellt. Die tiefe Abneigung gegen das Bürgertum wäre der wahre Grund für den scharfen "adeligen Antisemitismus" gewesen. Dieser machte die adeligen Verlierer - vor allem im ostelbischen Junkertum - "vielfach anschlussfähig" an all die "völkischen Gruppierungen", wie Conze ausführt, die damals wie "Pilze aus dem Boden schossen".
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