Frankfurt am Main war bis 1933 eines der wichtigsten Zentren jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in Europa. Die Stadt besaß eine große jüdische Gemeinde, deren Mitglieder tragende Säulen der Stadtgesellschaft waren. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden aber auch die Frankfurter Jüdinnen und Juden systematisch entrechtet, verfolgt und ermordet, die jüdischen Gemeinden aufgelöst. Der Band widmet sich der Geschichte des jüdischen Frankfurt im NS-Staat und zeichnet dessen Bedrohung und Zerstörung nach. Er fragt, wie die Frankfurter Jüdinnen und Juden den Ausschluss aus der Stadtgesellschaft und die Verfolgung erfahren haben, was dabei unwiederbringlich verloren ging, und auf welche Weise das geistige und kulturelle Erbe des jüdischen Frankfurt im Exil weiterwirken konnte. Unter dem Schutz der US-Militärverwaltung gründete sich in der Nachkriegszeit eine neue jüdische Gemeinde, mehrere jüdische Organisationen siedelten sich in der Stadt an, und es entwickelte sich neues jüdisches Leben. Der Band behandelt auch diese Geschichte bis in die 1980er Jahre, als gerade von Frankfurt wichtige Impulse für eine neue Sichtbarkeit der jüdischen Gemeinschaft in der Bundesrepublik ausgingen. Unter welchen Bedingungen vollzog sich die Neugründung der jüdischen Gemeinde und auf welchen Wegen kehrten Jüdinnen und Juden in den Nachkriegsjahrzehnten ins Zentrum der Frankfurter Stadtgesellschaft zurück?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.09.2024
Rezensent Alexander Jürgs empfiehlt den von Christian Wiese, Stefan Vogt, Tobias Freimüller, Mirjam Wenzel, Doron Kiesel und Gury Schneider-Ludorff herausgegebenen Sammelband nicht nur Frankfurtern. Wie Juden ausgegrenzt wurden, aber auch wie sie nach dem Krieg überall in Deutschland zu einem Neuanfang ansetzten, davon berichten die einzelnen, auf eine Frankfurter Konferenz von 2022 zurückgehenden Aufsätze laut Jürgs auf eindrucksvolle Weise, umfassend und detailliert. Jürgs liest u. a. über die Zielgerichtetheit der "Arisierung" jüdischer Gewerbetreibender (Mirjam Schnorr) sowie über die Entwicklung der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Judentum nach 1945 (Christian Wiese).
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