Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.10.2004
Recht angetan zeigt sich Rezensent Hans-Lukas Kieser von Stefan Sigerists "bestens ausgestattetem Buch" über Schweizer, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert ihr Glück im Orient suchten. Um diesen Personenkreis hinter den Handelsstatistiken Gesichtszüge zu verleihen, habe Sigerist akribisch in Privat-, Firmen- und Staatsarchiven recherchiert und Interviews mit Nachkommen geführt. Im Zentrum der Untersuchung sieht Kieser die Gruppe jener, die sich im Osmanischen Reich und in Persien eine ökonomische Existenz zu schaffen suchten: Uhrmacher, Kaufleute, Financiers, Ingenieure. Aber auch christlich oder humanitär motivierte sowie der aus bürgerlicher Enge der Heimat fliehende Emigrantinnen und Emigranten fänden bei Sigerist Erwähnung. Ausführlich erzählt Kieser die Geschichte dieser Emigranten nach. Als kennzeichnend für die damalige schweizerische Diaspora im Orient nennt er ihre kosmopolitische Einstellung, die polyglotte Lebensweise und internationale Verschwägerung. "Sie kultivierte ihre helvetische Herkunft", so der Rezensent, "und bewies trotz Eigennutz und manchen Spannungen immer wieder eindrückliche klassenübergreifende Solidarität."
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