Sprache wird immer unmenschlicher. Begeistert, mindestens reflexhaft übernehmen die Zeitgenossen, auch die akademisch gebildeten, die Sprach- und Sprechbausteine der Apparate, des Frühstücksradios, der Sportsendung, der Werbung; und also reden sie, wie das Reklameradio und all die anderen Agenturen der Verblödung reden. Von Wortschatz will man, tagtäglich zugemüllt von Knallervokabular wie lecker, mega, nachvollziehen und alles gut, im Ernst nicht mehr reden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.07.2021
Rezensent Edo Reents empfiehlt Stefan Gärtners sprachkritische Interventionen. Gut gefällt ihm, dass der Autor mit seinen feinen Beobachtungen und kleinen Bosheiten ausschließlich nach oben zielt, vor allem auf Journalisten und Werbetreibende im Hamsterrad des Fortschritts. Ohne Schulmeisterei, dafür mit treffender "sensibler Schärfe", mit Goethe, Adorno und Karl Kraus durchforstet Gärtner laut Reents sämtliche gesellschaftlichen Sphären nach sprachlichen Torheiten - und wird reichlich fündig.
Der Autor will nicht denunzieren, schreibt Rezensentin Nina Apin, aber dann tue er es doch - den Sportreporter Matthias Opdenhövel hat er besonders auf dem Kieker. Das mochte die Kritikerin nicht so gerne. Ansonsten aber stimmt sie ihm gerne zu in seiner Kritik an dem allzu einverständigen Sprachgestus - "Alles gut!" - unserer Zeit. Sie weist hin auf die historischen Beispiele, besonders Dolf Sternbergers 1957 erschienenen "Aus dem Wörterbuch des Unmenschen" (aber nicht Klemperers "LTI") und lobt den Autor für seinen Versuch, dem freiwillig geübten "Orwell'schen Neusprech" zu verdammen, der das Selber-Denken zunehmend verhindere. "Literarisch" findet die Kritikerin das Zurechtrücken und Aufrufen großer Sprachkritiker - Schopenhauer, Kraus! - gelungen. Aber ob es hilft, wagt sie zu bezweifeln.
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