Der polnische Schriftsteller Stefan Chwin, in Deutschland vor allem bekannt geworden durch seinen Roman "Tod in Danzig" (poln. "Hanemann"), umkreist in der vorliegenden 3. Dresdner Poetikdozentur seine Heimatstadt Danzig als Stätte der Erinnerung und Ort seines Schreibens. Es geht ihm dabei um den Umgang des Schriftstellers mit einer konstant fortlaufenden Erzählung des Lebens und der eigenen, gefundenen wie erfundenen, literarischen Narration.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.11.2005
Schon in seinem Roman "Tod in Danzig" von 1995 habe Stefan Chwin von seiner Heimatstadt Danzig erzählt, weiß Rezensent Lothar Müller. In den Dresdner Poetikvorlesungen gebe er nun sowohl einen kurzen Abriss der Wiederaufbaugeschichte Danzigs nach 1945 als auch Erläuterungen zu seiner "Privatarchäologie". Darunter versteht der Rezensent zum einen Chwins Trojaisierung Danzigs, in deren Sedimenten die ganz große Geschichte lesbar sei, und zum anderen die Verbindung solcher Weltgeschichte mit der Privatgeschichte und Geburtsstunde des Romanciers Stefan Chwin. Die Mutter des Autors helfe nämlich noch vor dessen Geburt als Sanitäterin einem deutschen Soldaten, obwohl sie tags zuvor Massenerschießungen von Zivilisten gesehen hatte. Wer nun, behauptet der Rezensent, die Romane Chwins kenne, kenne auch dessen "Willen zur großen Kunst", für den die "Privatarchäologie" der Poetikvorlesungen eine Art mythologisierende Vorarbeit darstellten.
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