Aus dem Französischen von Brigitte Große. Die Hölle, das war mein Vater. Was er nicht alles gewesen sein will, dieser Vater: Fallschirmjäger, Prediger, Sänger, Judolehrer, Profifußballer, Berater von Charles de Gaulle. Und nicht zuletzt: Geheimagent.
André Choulans, der Anfang der 60er-Jahre mit seiner Familie in Lyon lebt, ist kein normaler Vater, er ist ein Aufschneider und Tyrann. Er terrorisiert seinen Sohn Emile, verhängt absurde Strafen und bedrängt ihn mit seinen verqueren politischen Ansichten. Ein Roman über eine schreckliche Kindheit, in der sich absurde wie tragikomische Szenen abwechseln - auf dem berührenden Weg eines Sohnes weit weg von einer Familie, die nie eine war.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.04.2018
Rezensent Cornelius Wüllenkemper preist Sorj Chalandons Roman "Mein fremder Vater" als "Quintessenz" der sechs bisher veröffentlichten Romane des französischen Journalisten und Schriftstellers. In dem autobiografisch geprägten Werk liest der Kritiker, wie der kleine Emile unter seinem prügelnden Vater André in einer Parallelwelt aufwächst, in der jener sich ganz auf den Putsch-Versuch der OAS gegen Präsident de Gaulle einschießt, seinen Sohn zur Überwachung der Nachbarn und zu Morddrohungen an Abgeordneten zwingt und die Familie so lange tyrannisiert, bis Wahn und Wirklichkeit verschwimmen. Chalandons "nüchterner" Erzählton hat den Rezensenten beeindruckt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.01.2018
"Eine der interessantesten Stimmen der französischen Gegenwartsliteratur" nennt Rezensent Jürgen Ritte den Schriftsteller und Journalisten Sorj Chalandon. Mit seinem jüngst auf Deutsch erschienenen Roman "Mein fremder Vater" stellt er das einmal mehr unter Beweis, meint der begeisterte Rezensent. Vater Choulan, lesen wir, ist kein harmloser Flunkerer, sondern ein ausgemachter Lügner und schlimmer noch: ein despotischer, brutaler Hausdemagoge, der seinen eigenen eingeschüchterten Sohn zum Komplizen seiner Terror-Fantasien und schließlich sogar zum realen Attentäter auf einen lokalen Politiker zu machen versucht. Am Ende geht dieser Sohn als eine der vielen gebrochenen Figuren aus der Geschichte, denen sich Chalandon immer wieder in seinen Romanen annimmt. Viel historische Wahrhaftigkeit steckt in dieser brillant und aufregend erzählten Geschichte, die am Tag des Militärputsches auf Charles de Gaulle beginnt. Sie zeigt sich in den Figuren, in ihren Verhaltensweisen, in ihrem Denken und Handeln und ihrer Gebrochenheit, so Ritte.
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