Der Republikaner als Architekt von Königen und Kaisern: Gottfried Sempers Karriere war wechselhaft: Das Europa des Vormärz prägte sein Leben bis zum fulminanten Karrierestart in Dresden. Als überzeugter Republikaner kämpfte er 1848/49 auf den Barrikaden. Die prekären Exiljahre waren von der Trennung von seiner Familie und einer daraus resultierenden Ehekrise geprägt. Darauf folgte eine Professur für Architektur in Zürich. Doch selbst erste kleine Erfolge wie die Mitarbeit an der Londoner Weltausstellung konnten den beruflichen Existenzkampf nicht mildern. Erst ab 1870 konnte sich Semper, dessen Gebäude wir heute noch bewundern, als Schöpfer glanzvoller Bauten etablieren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.09.2020
Rezensent Michael Mönninger würde gerne mehr solcher Bücher lesen über "Kunstgötter des 19.Jahrhunderts". Denn hier erhält ein wohlerforschter Architekt und Theoretiker der Architektur persönliche Kontur - und die ist oft schwer zu ertragen, so misantropisch, eitel und selbstmitleidig erscheint der Star, der zunächst Rebel im Vormärz ist, dann als Emigrant über ein Jahrzehnt durch Europa flüchtend schließlich zum wichtigen Architekten aufsteigt. Manche persönliche Widersprüchlichkeit dieses Mannes wird von der Architekturhistorikerin beleuchtet und beschrieben, selten jedoch aufgeklärt, bemängelt der Kritiker, der auch keine Antwort auf die Frage findet, wie Semper ein modernes Baumaterial wie Eisen übersehen, die Bauten der Antike jedoch als "Volkskunst" neu erfinden konnte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.07.2020
Sabine von Fischer erlebt den Architekten Gottfried Semper in der Monografie von Sonja Hildebrand als ewig Getriebenen. Dass die Autorin keine Heldengeschichte schreibt, sondern Semper als säumigen Familienvater und ruhelosen wie streitbaren Gestalter zeigt, gefällt der Rezensentin. Inwieweit Semper antike Relikte als Gesellschaftsgeschichte begriff, schildert die Autorin laut Fischer in einem "großen kulturgeschichtlichen Bogen" durch das Europa des 19. Jahrhunderts. Episodische, lebendige, wohlinformierte Architektur- und Kulturgeschichte, findet Fischer.
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