Aus dem Englischen von Frank Born und Axel Walter. Das heutige Leben ist vom Überfluss geprägt. Es muss immer mehr sein, nie ist es genug. Lacan hat jedoch gezeigt, dass wir immer einen Überschuss an dem benötigen, was wir brauchen: Sonst können wir das, was wir haben, nicht genießen. Mit dieser Gedankenfigur, die Žižek mit Marx' "Mehrwert" und Freuds "Lustgewinn" zusammendenkt, analysiert der Meisterdenker aus Slowenien die Paradoxien der gegenwärtigen politischen Lage. Unter anderem anhand von Hollywood-Filmen wie der "Joker", Thomas von Aquin, der Corona-Pandemie und den Zwängen der "Cancel Culture" zeigt Žižek, dass wir vielleicht einen Ausweg aus unserer verzwickten Lage finden, wenn wir nur erkennen, dass der Gewinn, den die "Mehrlust" verspricht, substanz- und nutzlos ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.04.2023
Rezensent Tobias Kniebe staunt nicht schlecht, dass ihm der alte Feuerprediger Slavoj Zitzek hier als philosophischer Aufpasser begegnet, der hier der Einhaltung von Regeln das Wort redet. Das Bild von Zizek, der zu Corona-Zeiten in der Londoner U-Bahn andere ermahnt, die Maske aufzusetzen, brennt sich ihm ein. Aber Kniebe folgt trotzdem freudig diesem Leitfaden für Nichtverwirrte, um sich schön irritieren zu lassen. Mehrlust, eine Kombination aus Mehrwert und Lustgewinn, bringt ihm Zizek mit dem Bild des Umweltschützer nahe, der aus Angst ums Klima auch noch im Eisregen einen perversen Lustgewinn aus dem Radfahren zieht. Und dass gerade eine Wissenschaft, die ihre eigene Vorläufigkeit betont, den Autoritätshörigen nicht genug Wahrheit bietet, das hat ihm zuvor auch noch niemand so einleuchtend erklärt. "Besser ein böser Gott als gar kein Gott, erklärt sich Kniebe jetzt mit Zizek die neue Lust auf Verschwörungstheorien.
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