Carl Hanser Verlag, München 2026
ISBN
9783446279179 Gebunden, 416 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Die Menschen bewegen sich nicht gleich. Das weiß, wer jemals an einer Flughafengrenzkontrolle oder Landesgrenze stand: was für die einen ein Durchgangstor ist, ist für andere eine unüberwindbare Mauer. Sinthujan Varatharajah schreibt über das Reisen und den modernen Tourismus, diese vermeintlich harmlose westliche Kulturpraktik, die trotz ihrer Zerstörungen vielerorts noch immer als Lebensversprechen gilt. Varatharajahs Beobachtungen und Analysen zeigen vielschichtig, was unsere Gegenwart in jedem Begegnen und Berühren zerreißt. Dieses so politische wie lyrische Buch kann diesen Prozess nicht rückgängig machen. Aber zeigen, wie neues Wissen ganze Weltsichten für immer verändern kann.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 19.08.2026
Sinthujan Varatharajahs Buch ermöglicht, findet Rezensent Franz Paul Helms, einen neuen Blick aufs Reisen. Und zwar einen politisch und historisch informierten. Ausgangspunkt ist eine Reise des Autors nach Sri Lanka - in die Gegend, in der seine Familie in den Achtziger Jahren aufgrund von anti-tamilischer Gewalt nach Deutschland flüchten musste. Im Weiteren verknüpft Varatharajah eigene Reiseerzählungen mit kritischer Analyse und lyrischen Passagen. Dem Autor geht es um die Politische Seite des Tourismus, zum Beispiel, weil viele Orte für verschiedene Menschen ungleich zugänglich sind, je nachdem, ob man Tourist ist oder Flüchtender. Erstaunliches lernt Helms nicht zuletzt über den Zusammenhang von Kolonialismus und Tourismus, etwa mit Blick auf Bali, dessen Ruf als tropisches Paradies nicht zuletzt der Propaganda der niederländischen Kolonialmächte zu verdanken ist. Manche sprachliche Eigenarten irritieren den Rezensent ein bisschen, etwa wenn Varatharajah ohne Erklärung von den "sogenannten USA" spricht, auch, weshalb der Buchtitel klein geschrieben ist, wird nicht näher erläutert. Insgesamt jedoch ist Helms sehr angetan von diesem Buch, das einem nicht den Spaß am Reisen nehmen, sondern vielmehr Perspektiven erweitern will.
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