Simone Prodolliet (Hg.)

Blickwechsel

Die multikulturelle Schweiz an der Schwelle zum 21. Jahrhundert
Caritas Verlag, Luzern 1998
ISBN 9783855920495
Broschiert, 320 Seiten, 20,20 EUR

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.02.2000

Die Schweizer, erklärt Johanna Pfaff-Czarnecka in ihrer Rezension, haben eine Satz von Georg Simmel als wahr erkannt: "Fremde sind Menschen, die heute kommen und morgen bleiben". Diese Erkenntnis legt Integrationsmaßnahmen für Migranten nahe, weshalb dieser Band ein "äusserst nützlicher" sei: Die Autoren, allesamt Schweizer Experten aus Verwaltung, Wissenschaft und Politik, fragen nicht mehr nach dem "ob" sondern dem "wie" der Integration, etwa in rechtlicher Hinsicht. Einige Beiträge enthielten auch grundlegende Überlegungen zur Ausländerintegration. Als Beispiel führt Pfaff-Czarnecka den Historiker Jacob Tanner an, der die Gefahren einer kollektiven Identitätsbildung beschreibt, dies aber nicht nur an die Adresse der Schweizer richtet, sondern auch an kulturelle Minderheiten, die unter Verweis auf ihre ethnischen Wurzeln "Gruppensonderrechte fordern". Pfaff-Czarnecka lobt nachdrücklich die hohe Qualität der meisten Texte. Nur der literarischen Mittelteil des Bandes, in dem Imigranten ihre Situation schildern, sei etwas arg düster geraten. "Ein wenig Witz" würde den Umgang mit den Fremden leichter gestalten, ohne irgendetwas zu beschönigen.