Silvia Berger

Bakterien in Krieg und Frieden

Eine Geschichte der medizinischen Bakteriologie in Deutschland, 1890-1933. Dissertation
Cover: Bakterien in Krieg und Frieden
Wallstein Verlag, Göttingen 2009
ISBN 9783835305564
Gebunden, 476 Seiten, 46,90 EUR

Klappentext

Als die WHO 1980 den "Tod der Pocken" verkündete, rückte die Vision einer Welt ohne Infektionskrankheiten in greifbare Nähe. Mithilfe der Bakteriologie schien die "Ausrottung" der Seuchen erstmals möglich. Das Auftauchen neuer und die Rückkehr überwunden geglaubter Erreger machten jedoch wenig später klar, dass dies eine Illusion war. Silvia Berger zeigt mit Blick auf Deutschland zwischen 1890 und 1933, dass der Glaube an die Beherrschbarkeit von Infektionskrankheiten nicht erst in neuester Zeit erschüttert wurde. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg erfuhr die Bakteriologie eine tiefgreifende Krise. Der von Militärbakteriologen zwischen 1914 und 1918 rigoros verfolgte Traum von der Vernichtung aller "unsichtbaren Feinde" und der Herstellung "reiner" Körper und Territorien rückte in weite Ferne. Die einstige Renommierwissenschaft musste in den 1920er Jahren eingestehen, dass sie mit ihren Denkfiguren das komplexe Zusammenspiel von Mikro- und Makroorganismen nicht mehr erklären konnte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2009

Rezensent Thomas Weber würdigt Silvia Bergers Buch "Bakterien in Krieg und Frieden" als anspruchsvolle und überaus instruktive Geschichte der Bakteriologie in Deutschland von 1890 bis 1933. Im Mittelpunkt der Arbeit sieht er die Entwicklung der Bakteriologie, ihre Versuche, sich an neue Entdeckungen anzupassen, und die gegenseitige Beeinflussung von bakteriologischer und politischer Sprache. Deutlich wird für ihn dabei auch, wie der Traum der Bakteriologen, Infektionskrankheiten endgültig auszulöschen, scheiterte. Auch wenn die Darstellung 1933 endet, lassen sich aus dem Buch nach Ansicht Webers jede Menge aktuelle Einsichten im Blick auf HIV, Sars, H5N1, H1N1 und so weiter ziehen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.11.2009

Angeregt, aber letztlich doch unzufrieden hat Andreas Weber dieses kulturgeschichtliche Buch wieder zugeklappt. Zwar verdankt er diesem "klugen und belesenen" historischen Überblick über die Geschichte der Bakteriologie einige beklemmende Einsichten. Zum Beispiel die, dass es einen metaphorischen Gleichklang von biologischer Theorie und politischer Despotie gibt, was Silvia Berger ihm sinnfällig an den Parallelen zwischen Robert Kochs Vernichtungskrieg gegen die Bakterien und dem Preußischen Militarismus machen konnte. Und den Metaphern rund um Hitlers genozidale Desinfektion des Volkskörpers. Die Schwäche des Buchs besteht für ihn jedoch darin, dass diese Verhältnisse immer nur historisch gedacht werden könnten, weshalb auch in der vorliegenden Studie der Diskurs bei der Anwendung auf die Gegenwart nicht aufgehen würde.

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