Sigrid Bauschinger

Else Lasker-Schüler

Biografie
Cover: Else Lasker-Schüler
Wallstein Verlag, Göttingen 2004
ISBN 9783892444404
Gebunden, 493 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Else Lasker-Schülers Werk liegt nun seit einigen Jahren in einer Kritischen Ausgabe vor, in deren Rahmen auch der erste Briefband inzwischen erschienen ist. Sigrid Bauschinger konnte auf diese und alle weiteren noch zu edierenden Briefe zurückgreifen und so aufgrund des umfangreichen, teilweise unbekannten Materials zeigen, unter welchen Bedingungen Lasker-Schülers Werk entstand. Nicht die zahllosen Anekdoten über ihre exzentrische Erscheinung, sondern tatsächliche Ereignisse machen das Leben dieser außerordentlichen Dichterin aus. Seit vielen Jahren gilt Sigrid Bauschinger als eine der besten Kennerinnen des Werkes von Else Lasker-Schüler. Aus der Kenntnis des gesamten, teilweise bisher ungedruckten Briefe hat sie die erste profunde Biographie geschrieben.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.03.2006

"Wie schreibt man die Biografie einer Dichterin, die konsequent die Trennung von Poesie und Leben verweigert hat?" Die Rede ist von Else Lasker-Schüler und Sigrid Bauschinger hat, wie der Rezensent Manfred Koch begeistert feststellt, diese schwierige Aufgabe bravourös bewältigt. Schon gleich zu Anfang stelle Bauschinger fest, dass es in Lasker-Schülers Leben "nicht um Dichtung und Wahrheit" geht, "sondern um Dichtung als Wahrheit", um "Kunst mit ihrem ganzen Absolutheitsanspruch". Besonders gefallen hat dem Rezensenten, dass Bauschingers "Rekonstruktion" von Lasker-Schülers "unaufhörlicher Selbsterdichtung", ihrer "Selbststilisierungen und Übertreibungen" ganz "ohne denunziatorischen Gestus" auskommt. Und nicht zuletzt, so das wohlwollende Fazit des Rezensenten, erlaubt Bauschingers Vorgehensweise zu sehen, dass Else Lasker-Schüler als "Pionierin der Performance-Kunst" angesehen werden muss, insofern als sie das "Experiment eines öffentlichen poetischen Lebens" wagte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2005

Die von der Literaturwissenschaftlerin Sigrid Bauschinger geschriebene "materialreiche" Biografie ermögliche "einen differenzierteren Blick auf das Leben" von Else Lasker-Schüler, urteilt Beate Tröger. Im Zentrum der Studie steht der Versuch, Leben und Werk der Dichterin auseinanderzuhalten. Vor allem die beiden letzten Kapitel findet Tröger beachtenswert. In ihnen werden "bislang verstreute" Einzelheiten zu einem schlüssigen Bild der späten Jahre der Dichterin zusammengesetzt. Dadurch erscheint jene Epoche, in der "Mein blaues Klavier", "Das Hebräerland" und "IchundIch" entstanden, in neuem Licht. Vor allem wird, wie die Rezensentin beinahe erleichtert notiert, der "Mythos von der am Lebensende völlig verarmten und vereinsamten Autorin" relativiert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.10.2004

Die Biografie ist ein in Deutschland vernachlässigtes Genre, bedauert Hannelore Schlaffer und sieht sich bei Sigrid Bauschingers biografischem Versuch über Else Lasker-Schüler leider bestätigt. Lehrreich sei diese Biografie, attestiert ihr Schlaffer und vergleicht sie mit einem "gelehrten Haus", in das man wie in die Schule einkehre, um etwas zu lernen - ohne besonderen Spaß. Bauschingers Lebensbericht ist chronologisch und archivarisch orientiert; solange die Verfasserin die Autorin selbst als Biografin sprechen lassen könne, sei das Buch recht vergnüglich zu lesen, gesteht Schlaffer zu. Doch sobald sich der jugendliche Elan verbraucht, die Legenden zerstört, Vertreibung und Armut sich Lasker-Schülers bemächtigt hätten, gerate die Lektüre zu hartem Brot, kritisiert sie, was unter anderem daran liege, dass die Autorin sich durch eine Aneinanderreihung sämtlicher von ihr entdeckter Postkarten zu helfen meine. Der Mischung aus wahrem Elend und Selbstmitleid, die für die nach Palästina emigrierte Dichterin in den letzten Lebensjahren typisch war, werde Bauschinger damit nicht gerecht, findet Schlaffer. Um vieles frischer erscheint ihr dagegen die zeitgleich erschienene Lasker-Schüler-Biografie der Amerikanerin Betty Falkenberg (noch nicht übersetzt), die sich zugegebenermaßen nicht an bekannten Details abarbeiten musste, sondern laut Schlaffer unbekümmert ein eigenes Porträt der faszinierenden Persönlichkeit Elske Lasker-Schülers wagt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.06.2004

Uta Grossmann prophezeit dem Buch der "ausgewiesenen Lasker-Schüler- Kennerin" Sigrid Bauschinger eine Zukunft als "Standard-Biografie". Nicht, weil man sensationell Neues erfahre, sondern weil es der Autorin gelungen sei, dank des Einbezugs neuer Quellen - vor allem bislang unbekannter Briefe - Leben und Werk der Dichterin in aller Komplexität und mit mehr Tiefe und Genauigkeit darzustellen, als das bisher möglich war. Die Rezensentin vermittelt den Eindruck einer ebenso unaufgeregten wie fruchtbaren und lehrreichen Lektüre, die einem die Person Lasker-Schülers in all ihrer Widersprüchlichkeit nahe bringt und in die Zeitgeschichte einbettet: ihr exzentrisches Außenseitertum und zugleich ihre lebenspraktische Aufopferung für Freunde, die "Diskrepanz zwischen profanen Geldsorgen und künstlerischer Unbedingtheit" . Else Lasker- Schüler war eine entschiedene Nonkomformistin, aber auch ein "Kind ihrer Zeit". Und, beeilt sich die Rezensentin, die rein gar nichts zu meckern hatte, hinzuzufügen: "Eine der bemerkenswertesten Frauen des 20. Jahrhunderts."