Siegfried Lenz

Landesbühne

Novelle
Cover: Landesbühne
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2009
ISBN 9783455042825
Gebunden, 220 Seiten, 17,00 EUR

Klappentext

Rätselhafte Dinge geschehen im Gefängnis Isenbüttel. Während einer Theateraufführung verlassen Häftlinge ungehindert das Gelände. Und kurz darauf feiert ein idyllisches Städtchen talentierte Schauspieler - die gar keine sind. Mit dem Hereinbrechen der Kunst und angetrieben von Gefühl, Leidenschaft und Phantasie entdeckt ein ganzes Gemeinwesen seine Möglichkeiten zu Größerem. Und niemand scheint Verdacht zu schöpfen. Oder sind alle - der Intendant der Landesbühne, der Gefängnisdirektor, der Bürgermeister und die Bürger von Grünau - Teil einer grandiosen Inszenierung? Die Ausreißer selbst scheinen keine Ahnung zu haben. Werden Sie zurückkehren in ihre Zellen?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.02.2010

Eine Novelle wie ein Brettspiel, findet Wolfgang Schneider. Im Buch entdeckt er bekannte Lenz-Motive wie "Gefängnis" und "Heimatmuseum" und Anklänge an allerhand Gleichnisse (Literatur-Leben, Ausbruch-Kunst), als hinlängliche Interpretationsstütze aber taugt weder das eine noch das andere. Ebenso wenig der "glattgescheitelte" Ton, den Siegfried Lenz hier anstimmt. Die skurrile Ausbrechergeschichte aus Isenbüttel nimmt Schneider schließlich (und freut sich dran) als in "romantischer Halbschlaflogik" daher kommendes Schelmenstück, in dem der bodenständige Realismus sich ins Märchenhafte wendet.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.12.2009

Die Idee dieses Romans von Siegfried Lenz gefällt dem Rezensenten Nico Bleutge zwar, vor allem seine "zutiefst romantische" Idee, dass sich die "Kluft zwischen Kunst und Leben" zumindest vorübergehend überbrücken lässt, dass die Kunst eine ganze Menge für den Menschen kann. Die Umsetzung allerdings gefällt dem Rezensenten weniger, "Lust auf die Kunst" macht die Geschichte seiner Meinung nach nicht. Stilistisch ist das Buch in Bleutges Augen recht holprig geworden, es "bleibt fern jeder Sinnlichkeit" und besitzt keine von den Qualitäten, die Lenz' in seinen Reiseerzählungen zur Geltung brachte. Auch die Handlung wirkt seiner Meinung nach etwas bemüht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2009

Am Ende weiß man nicht, wie Gustav Seibt zu dem Roman, dessen zartes Schweben zwischen Poesie und Realismus er anfangs mit Sympathie schildert, wirklich steht. Die offensichtlich etwas umständlich herbeigeführte Schlusspointe des Romans über einen Theaterbus, der von ein paar Gefängnisinsassen gekapert wird, erscheint ihm jedenfalls altväterlich, was aber nicht unbedingt ein Tadel sein muss. Ein Blättern in der Buchhandlung wäre nach der Kritik wohl angeraten, denn aus Seibts Schilderung geht durchaus hervor, dass Lenz' sanftes Narrenstück, das sich zuweilen ins Kafkeske dreht, sowohl im Ton als auch im Erzählduktus unabweisliche Stärken hat.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.10.2009

Als "heiteres und warmherziges Werk" annonciert Rezensentin Christiane Pöhlmann diese neue Novelle von "Altmeister" Siegfried Lenz, der sich und sein Werk darin auch manchmal zitiert, wie sie schreibt. Es geht, wie man liest, um zwei Häftlinge eines Provinzgefängnisses, die das Gastspiel eines Provinztheaters für ihre Flucht nutzen können, allerdings bald wieder festgenommen werden. Die Rezensentin spricht von einer Posse und findet auch, dass Siegried Lenz etwas viel in seine "parabelhafte" Geschichte "stopft" ohne dabei alles auszuerzählen. Auch rät sie potenziellen Leserinnen und Lesern, die auf Begriffe wie "Herrenabend" oder "Fräulein Bromfeld" allergisch reagieren, von einer Lektüre ab. Was sie selbst allerdings am Duktus der Geschichte schätzt, ist die Tatsache, dass dies schmale Buch als "Hommage an die Literatur" zu lesen ist, als "altmodische Liebeserklärung", und zwar ganz ohne postmodernes Vexierspiel.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.09.2009

Grundsympathisch und sehr vergnüglich findet Rezensent Jochen Jung dieses aus seiner Sicht sehr Gottfried-Keller-hafte Buch, das er auch als höchst gelungene Studie zur Frage versteht, wie weit man dem "Unerhörten" mit den Mitteln des Realismus auf den Spuren bleiben kann. Die Menschen, die er hier im "schrägen Blick" von Siegfried Lenz auftauchen sieht, erinnern ihn ein bisschen an "Die Leute von Seldwyler", immer hat das Erzählte dabei für ihn etwas Herzliches, ob Kleinkriminelle beschrieben werden oder schrullige Professoren, die straffällig wurden. Auch die kleinen Geschichte-in-der-Geschichte-Tricks, die den Überblick über das Wirkliche und weniger Wirkliche, echte und erdachte Figuren in dieser Geschichte aus der deutschen Provinz verkomplizieren, erfreuen und entspannen den Rezensenten sehr.
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