Shirley Hazzard

Transit der Venus

Roman
Cover: Transit der Venus
Ullstein Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783550081880
Gebunden, 560 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Yasemin Dinçer. Die ungleichen Waisen Caro und Grace Bell verlassen Australien, um im England nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Leben beginnen. Sie treffen dort auf die Männer, mit denen sich ihre Leben in den folgenden drei Jahrzehnten durch alle politischen Verwerfungen und über die Kontinente hinweg verweben. Astronom Ted Tice umwirbt die selbstbewusste Caro, die einem manipulativen Theaterschriftsteller verfällt. Ihre sanfte Schwester Grace hofft auf Erfüllung in einer scheinbar glücklichen Ehe mit einem Karrierediplomaten. Shirley Hazzard entwirft eine Welt, die von unaufhaltsamen Gesetzen bestimmt ist wie die majestätischen Umlaufbahnen der Planeten - und deren Figuren in ihrer Klarheit und Unbeugsamkeit an die klassische Tragödie erinnern.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.01.2018

Man dürfe sich nicht vom ersten Eindruck dieses Romans täuschen lassen, warnt Rezensentin Frauke Meyer-Gosau. Es handelt sich nämlich um so viel mehr als nur um einen "guten Gesellschaftsroman angelsächsischer Machart", erklärt die Kritikerin und führt aus: Anhand der Geschichten zweier Schwestern deren Lebensentwürfe unterschiedlicher kaum sein könnten, beschreibt die Autorin in ihrem 1980 erschienenen, nun ins Deutsche übersetzten Roman die Verhältnisse der 1940er bis 70er Jahre, in denen Frauen vor der Entscheidung standen: Hausfrau und Mutter oder emanzipierte Karrieristin - um es zugespitzt zu formulieren. Wie steinig der Weg zum selbstbestimmten Leben als Frau zu dieser Zeit war, stellt Hazzard, die stets die kritische Distanz zu ihren Figuren bewahrt, authentisch und spannend dar. Ein wenig getrübt wird Hazzards erzählerische Brillanz nur durch ihren Hang zu Substantivierungen und "gewollt schrägen Charakterisierungen" sowie die eher leidliche Übersetzung, so die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.01.2018

Shirley Hazzards Roman aus dem Jahr 1980, nun glücklicherweise endlich auch auf Deutsch erschienen, sollte man mit höchster Konzentration lesen, empfiehlt Rezensentin Sylvia Staude, schon allein wegen der sprachlichen Brillianz, vor allem aber wegen der raffinierten Konstruktion und den gezielt gestreuten Informationen. Kein Wort ist hier überflüssig und jeder Satz könnte einer sein, an den uns die Autorin im weiteren Verlauf der Handlung noch einmal zu erinnern zwingt, so die beeindruckte Kritikerin. Es sind die wechselnden Liebesbeziehungen dreier Schwestern mit ihren unterschiedlichen Qualitäten, die Hazzard hier in den kühlen Blick nimmt und mal subtil mokant, mal bitterböse beschreibt, wobei sie merklich laut Staude auf eigene Erfahrungen zurückgreift, sich jedoch nicht darauf beschränkt. Das ergibt für die hingerissene Rezensentin einen Roman, der "Liebesroman" ist und doch viel mehr als das - packend, humorvoll, entlarvend, "elegant", lobt sie.