Sarah Gaber

Gottfried Benn und der literarische Nachkrieg

Werke und Wechselwirkungen des späten Ruhms
Cover: Gottfried Benn und der literarische Nachkrieg
Wallstein Verlag, Göttingen 2026
ISBN 9783835358553
Gebunden, 394 Seiten, 42,00 EUR

Klappentext

Gottfried Benns wechselvolle Positionen im literarischen Feld der Nachkriegszeit - aus den Quellen heraus neu bestimmt.Gottfried Benns Fall und Aufstieg in der literarischen Öffentlichkeit nach 1945 gehört wohl zu den bemerkenswertesten Wendungen der bundesrepublikanischen Kulturgeschichte. Doch wie entstand er eigentlich, der Ruhm? Sarah Gabers materialreiche Studie geht dieser Frage anhand exemplarischer Werk-Kontext-Konstellationen nach. Dabei wird die Entstehung und Wirkung des Spätwerks ebenso gewürdigt wie die Interessen literaturvermittelnder Akteure: Verleger, Rundfunkredakteure oder Literaturwissenschaftler etwa. Benns "Come-back" wird so erstmals als kollektive Leistung perspektiviert, die den Blick freigibt auf das Medien-, Wissens- und Literaturarchiv der westdeutschen Nachkriegszeit.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 28.03.2026

Mit ihrer Dissertation hat Sarah Gaber einen wichtigen Beitrag zur Erforschung des schwierigen Werks und Lebens Gottfried Benns geleistet, findet Rezensentin Angela Gutzeit: Die Germanistin konzentriert sich vor allem auf die Beziehungsgeflechte im literarischen Feld, die dem Dichter nach 1945 wieder zu Ruhm verholfen haben. Mit der Feldtheorie des Soziologen Pierre Bourdieu zeigt sie, dass der Lyriker auch von seiner Umgebung mitgeschaffen wird, so zum Beispiel von der Zeitschrift Merkur, in der er nach Kriegsende mit anderen NS-belasteten Autoren wie Martin Heidegger oder Ernst Jünger schreibt, eine Zeitschrift, die aber schnell auch den Raum für eine neue Generation freimachte, wie Gutzeit liest. Auch der Verleger Max Niedermayer hat mit seinem Spürsinn für dessen Publikationen zu Benns "Selbstmodellierung" beigetragen, lesen wir, ebenso wie die Literaturwissenschaft, deren Forschungsergebnisse der Autor selbst immer wieder für sich fruchtbar gemacht hat. Quellenreich und informativ zeigt Gaber der Kritikerin, wie sehr auch ein sich als Einzelgänger stilisierender Autor in ein Netz aus Bezügen und Beziehungen im literarischen Feld eingebunden war und beweist, dass es da noch viel zu erforschen gibt.

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