Aus dem Italienischen von Renate Nentwig. Weißer Strand, blaues Meer. In einer Fischerhütte haust Circe, von der die Leute sagen, sie sei eine Hexe. Oft kommen Pilger in die Gegend, um einen vorsichtigen Blick auf sie zu erhaschen. Circe hat ein Geheimnis, das niemand kennt. Nur ihre Liebhaber, die sie betört. Und die sie dann eines Morgens tiefer in die Hütte hineinführt, wo sie die Tür eines großen Käfigs öffnet. »Er ging ohne Widerstand zu leisten hinein. Und mit einem Gefühl von Trauer und Schmerz, das mich in diesem Augenblick immer befällt, schloß ich hinter ihm ab.« Nun hat sie, was sie liebt, auf immer für sich. Einzig Odysseus, ebenso freiheitsliebend wie Circe selbst, der auf seinen Irrfahrten vor ihrer Hütte strandet, entzieht sich. Vergeblich wartet sie auf seine Rückkehr, sucht ihn. Und als sie ihn findet, macht sie eine verstörende Entdeckung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.10.2000
Eine heutige Circe und ein ebenso heutiger Odysseus, die sich auf der Insel Aiaia in "ebenso flotter wie makabrer Parodie auf den Geschlechterkampf" einander hingeben und bekämpfen, sind, so Ute Stempel, die gar nicht so souveränen Helden dieses Romans. Circe versteht sich zudem als Schriftstellerin, aber im Scheitern der "vernünftigen Worte", mit denen sie ihre Erlebnisse zu ordnen versucht, zeigt sich, so Ute Stempel, ihre "fragwürdige Freiheit", mit der sie die Männer gewohnheitsmäßig fängt. Ein "hintersinnig kluges Buch", gar ein "kleines Meisterwerk anspruchsvoller Unterhaltung", urteilt die Rezensentin, moniert jedoch an der deutschen Übersetzung ihre oft "allzu wörtlichen" Übertragungen.
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