John V. Luce

Die Landschaften Homers

Cover: Die Landschaften Homers
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2000
ISBN 9783608942798
Gebunden, 294 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Karin Schuler. Mit zahlreichen, meist farbigen Abbildungen. John V. Luce legt dar, dass Homers anschauliche Schilderungen von Troja und Ithaka nicht der Phantasie des Dichters entsprungen sind. Vielmehr vermitteln sie dem Leser ein präzises und bis ins Detail stimmiges Bild der antiken Landschaften. Zahlreiche Fotografien und Landkarten belegen eindrucksvoll die Genauigkeit der homerischen Topographie. Neueste Forschungsergebnisse der letzten zwei Jahrzehnte, besonders geophysikalische Erkenntnisse über Anschwemmungen in der trojanischen Ebene, werden vom Autor berücksichtigt. Jüngste Grabungskampagnen haben den überraschenden Nachweis erbracht, dass die befestigte Anlage Trojas im 13. Jahrhundert v.Chr. um ein Zehnfaches größer war als bislang angenommen. Indem der Autor den Schlachten zwischen Griechen und Trojanern folgt, erfährt der Leser, wie Homers Bericht mit dem neu gewonnenen Bild der trojanischen Ebene übereinstimmt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.02.2001

Ob es den Trojanischen Krieg nun gegeben hat oder nicht, Homers Dichtung würde das nicht weiter schmälern. Da ist sich Cornelia Isler-Kerényi ganz sicher. Umso schöner, dass nun John V. Luce ein Buch verfasst hat, in dem er dem Verhältnis des Dichters zu den von ihm beschriebenen Landschaften nachgegangen ist, freut sich die Rezensentin. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Luce ist den Geschichten auf den Grund gegangen, hat Homers Reisen geophysisch erkundet und informiert den Leser über eine wenig bekannte Vermutung: Homer erblindete erst in seinen mittleren Lebensjahren. Viele seiner Beschreibungen lassen sich tatsächlich erkunden. Auch heute noch. Das heißt, Mit "Ilias", "Odyssee" und Luces Buch lässt sich hervorragend auf Homers Spuren wandeln, lautet das Fazit der Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.12.2000

Friedhelm Rathjen ist beeindruckt. Auf Odysseus` Spuren wandeln - der Archäologe John V. Luce macht`s möglich. Kenntnisreich hat der Wissenschaftler die neuesten Ergebnisse aus Geophysik, klassischer Philologie und Archäologie verarbeitet und kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis. Der Homer der Wanderjahre war keineswegs blind, sondern hat mit geradezu fotografischem Gedächtnis die Topographie einiger seiner Erzählungen hinterlassen. Und dank der findigen Spurensuche von Luce sei es nun ein Leichtes, so der Rezensent, Homers antike Verse an Ort und Stelle zu lesen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.12.2000

Jochen Zwick bespricht zwei literarische Reiseführer die sich aus den aktuellen Serienfertigungen durch ihre "besonders originelle Machart" hervorheben.
1) Steffen Pross: "In London treffen wir uns wieder"
Dieses Buch verbindet "geschickt" das Angenehme (Reisen) mit der "moralischen Pflicht, nicht zu vergessen", lobt Zwick etwas trocken. Zudem hat es den Vorteil, auch zu Hause eine spannende Lektüre zu bieten. Schließlich ist das Leben der deutschen Emigranten mit der Flucht oft genug ins "Wildromantische" gekippt, bemerkt Zwick: Gefeierte Autoren wie Alfred Kerr oder Kurt Schwitters standen plötzlich wie Debütanten da - ohne Verlag, ohne Publikum und Einkommen. Ehen zerbrachen, "amouröse Dreiecksbeziehungen" entstanden und die "widersprüchliche britische Asylpolitik" tat ihr Bestes, die abenteuerlich gewendeten Biografien noch aufregender zu machen. Nebenbei zeichnet das Buch auch "ein eindrucksvolles Bild der deutschen Kultur im Exil", lobt Zwick.
2) John V. Luce: "Die Landschaften Homers"
Auch dieses Buch hat Zwick sehr gefallen - und man merkt seiner Rezension an, wie sehr ihn das verblüfft. Gleich zwei Mal fällt das Wörtchen "charmant", was wiederum den Leser erstaunt, denn John V. Luce wird hier als würdiger Nachfolger seiner selbstbewussten viktorianischen Vorfahren bezeichnet - bis in die Physiognomie hinein (ein Blick auf das Bild des Autors auf der Verlagsadresse bestätigt diese Behauptung des Rezensent auf das eindrucksvollste). Charme ist ja nun nicht gerade eine Eigenschaft, die man mit den Viktorianern verbindet. Doch der "robuste Positivismus", mit dem der Autor hier den topografischen Informationen bei Homer nachgeht (in Troja ist es heute noch so zugig, wie in der Ilias beschrieben) zusammen mit einem "romantischen Überschwang" in den Beschreibungen, hat es dem Rezensenten merklich angetan. Luce, von keinem Zweifeln an einem erkennbaren Unterschied zwischen Realität und Dichtung angekränkelt, glaube fest daran, dass das "Erlebnis des authentischen Orts" den Genuss an der Dichtung noch steigert. Eine "charmantere Rechtfertigung einer Reise zur Literatur" lässt sich für Zwick nicht denken.
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