Sabine Schiffner

Kindbettfieber

Roman
Cover: Kindbettfieber
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783100702111
Gebunden, 336 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Sabine Schiffner erzählt von vier Frauengenerationen, von der Urgroßmutter, die am Vorabend des Ersten Weltkriegs im Wochenbett liegt, bis zur Urenkelin, die Anfang der achtziger Jahre zwischen Ostermarsch und Westernhagen-Konzert unverhofft auf die Geschichte ihrer Vorfahrinnen stößt...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.05.2006

Mit ihrem Debüt habe es sich die 1965 geborene Bremerin Sabine Schiffner nicht leicht gemacht, meint Sibylle Birrer wohlwollend. Schon mit dem Sujet des Familienromans, der, im Milieu einer hanseatischen Kaufmannsfamilie angesiedelt, auf über 300 Seiten ein Panoptikum des 20. Jahrhunderts entwickelt, bewege sich die Autorin auf traditionell anspruchsvollem Terrain. Die erzählerische Abfolge fokussiert sich auf die Generationenabfolge von Müttern und Töchtern, die allesamt im Abstand von gut 30 Jahren an Ostern geboren werden und an Kindbettfieber erkranken. Das symbolträchtige Datum und die ihnen gemeinsame Dünnhäutigkeit wird als Geheimnis beschworen, das jedoch leider nicht eingelöst wird, bedauert die Rezensentin. Dies sei auch der Sprach- und Detailverliebtheit anzulasten, die den Roman allzu oft in eine "pathetisch-geschmäcklerische Schieflage" abgleiten lassen, und durch Lyrismen unfreiwillige Komik produzieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.01.2006

Der Rezensent Kolja Mensing ist gehörig genervt von diesem antiquiert wirkenden Familienroman und nützt die in seinen Augen recht misslungene Geschichte, in der ein "so genannter Erbfluch" tatsächlich eine tragenden Rolle spielt, zu einer Abrechnung mit der Tendenz: Das "gegenwärtig überstrapazierte Genre des Familienromans gehört eigentlich in die Mottenkiste des 19. Jahrhunderts". "Die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche" des letzten Jahrhunderts berühren die Roman-Familie, die dem Bremer Bürgertum entstammt, jedenfalls kaum - und machen sie damit wohl auch etwas uninteressant Auch stilistisch gefällt der Roman und seine "behäbige und altertümliche Sprache" dem Rezensenten nicht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.01.2006

Von vier aufeinanderfolgenden Generationen an Frauen, die am Kindbettfieber leiden, erzählt Sabine Schiffner in ihrem Debüt. Eigentlich ganz schön viel Stoff, doch passiere tatsächlich kaum etwas, findet Petra Kohse. "Inmitten des Füllstoffes gibt es kein Eigentliches." Noch dazu versuche die Autorin jede der vier Frauen zu Zeitzeugen größerer Ereignisse zu machen, was die Rezensentin ähnlich "diffus" findet wie Schiffners Schreibstil. Schiffner könne sich nicht zwischen "unpersönlicher Allwissenheit der Autorin", "Sich-Reinschleichen in die Figuren" und einer Kombination aus Sprichworten, Liedtexten oder Dokumenten entscheiden. Diese Unentschlossenheit gefällt Kohse ebensowenig wie das offene Ende, das die Rezensentin als Symptom für Schiffners "erzählerische Ängstlichkeit" deutet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2005

Hans-Peter Kunisch stellt Sabine Schiffners Roman "Kindbettfieber" ein Einerseits-Andererseits-Attest aus. Das Buch, das den Jürgen-Ponto-Preis erhalten hat, findet seine uneingeschränkte Zustimmung nicht. Der Rezensent hat Passagen "unfreiwilliger Komik" entdeckt, auch gerät in den Monologen, aus denen das Werk um eine Bremer Familie besteht, manchmal doch das Klischee in bedenkliche Nähe zum Text, meint er. Das gelte vor allem, wenn es in dem Vier-Generationen-Roman um die düsterste Epoche deutscher Geschichte geht. Dem steht allerdings eine "dichte Sinnlichkeit" gegenüber, die Kunisch preist, und ein "erstaunlicher epischer Atem". Dank dieser Qualitäten vermag es Schiffner doch noch, sowohl die Lebensstränge der Protagonisten miteinander zu verbinden als auch, alles in allem, das Plazet des Rezensenten zu erringen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.10.2005

Keinen Gefallen findet Rezensentin Marion Lühe an diesem Roman von Sabine Schiffner, der die Geschichte einer Bremer Kaufmannsfamilie über mehrere Generationen erzählt. Auch wenn die Geschichte, die Häufung von Sätzen mit Überlänge und die Vorliebe der Autorin für sprechende Namen gewisse Assoziationen nahe legen, mit Thomas Manns "Buddenbrooks" lässt sich dieser Roman nach Lühes Ansicht nicht vergleichen - zumal sich die "Satzmonster" als Aneinanderreihung von Hauptsätzen entpuppten. Zwar mühe sich die Autorin um einen "sinnlichen, detailgenauen historischen Background". Auf Lühe aber wirkt das "alles einerlei". Ob die Handlung am Vorabend des Ersten Weltkrieges, in den sechziger oder in den achtziger Jahren spielt, spiele eigentlich keine Rolle. Auch besitze keine der Erzählerstimmen einen eigenen, authentischen Ton. Auch die Spreche des Romans kriegt ihr Fett weg. Sie solle "poetisch" sein, schließt die Rezensentin enttäuscht, "ist aber bloß biedermeierlich, betulich, kitschig."
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