Rolando Villazon

Kunststücke

Roman
Cover: Kunststücke
Rowohlt Verlag, Reinbek 2014
ISBN 9783498070656
Gebunden, 256 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Willi Zurbrüggen. Der Clown Macolieta lebt in einer rigorosen Unordnung mit seinen Büchern, aufziehbaren Blechfiguren, Schminktöpfen, Jonglierbällen, einer Sonnenblume als einziger Pflanze und einer Spinne als Haustier. Er war in die Clownin Sandrine verliebt, doch er traute sich nicht, ihr das zu sagen. Jetzt ist sie weg, und Macolieta sehnt sich nach ihr. Seine Kunststücke zeigt er bei Kindergeburtstagen. Abends spielt er Schach in einer Bar, und wenn er allein ist, schreibt er in sein blaues Buch über sein Alter Ego, den Clown Balancín. Der hat alles, was ihm fehlt: Geld, Erfolg, ein Publikum, das ihn feiert, eine Frau, die ihn liebt. In einem ironischen Gedankenspiel werden die beiden Lebensläufe immer stärker ineinander verwoben, bis Balancín aus dem Buch heraus ins Dasein tritt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.09.2014

Wenn ein weltberühmter Tenor auf die Idee kommt, ein Buch zu schreiben, noch dazu kein ausdrücklich autobiografisches, mag der Verdacht naheliegen, dass es Seichtes zu erwarten gilt, so Ijoma Mangold. Wenn Oberflächlichkeit das Klischee des "Celebrity-Romans" ausmacht, ist Rolando Villazóns Debütroman "Kunststücke" aber das exakte Gegenteil eines solchen, staunt der Rezensent. Hier wird der modernen Literatur von Calvino bis Borges gehuldigt und Philosophen von der Antike bis Heute werden ins Spiel gebracht, verrät Mangold, Villazón hat ein anspruchsvoll verschachteltes Vexierbild geschaffen, in dem ein Clown Notizen über einen Clown schreibt, der Notizen über einen Clown schreibt, und so fort, in dem über schnellen Ruhm und alltägliche Masken gegrübelt wird und über die Bedeutung der Kunst für das eigene Leben, fasst der Rezensent zusammen. Villazón will und darf als Schriftsteller ernst genommen werden, so Mangold.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.08.2014

An den lyrischen Fähigkeiten des Tenors Rolando Villazon hat Michael Stallknecht keine Zweifel. Jedenfalls nicht nach Villazons literarischem Debüt, in dem der Allroundkünstler laut Rezensent anhand der Selbstfindungsgeschichte eines Clowns womöglich die eigene Biografie plündert. Dafür dass die verhandelten Identitätsprobleme des Spaßmachers nicht zu langweilig werden, sorgt der Autor, so Stallknecht, mit allerhand Lektürefrüchten von Hegel bis Sartre, mit gekonnter Regie, Stimmungsbildern und Sprachspielereien. Wenn sich all das noch nicht wirklich zu dem gewünschten Roman fügen will, dann weil die Handlung eher schmalbrüstig daherkommt, wie Stallknecht kritisiert. Aber das kann ja noch werden, meint er.
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