Roland J. Campiche

Die zwei Gesichter der Religion

Faszination und Entzauberung
Cover: Die zwei Gesichter der Religion
Theologischer Verlag Zürich, Zürich 2004
ISBN 9783290173371
Gebunden, 395 Seiten, 30,00 EUR

Klappentext

Unter Mitarbeit von Raphael Broquet, Alfred Dubach und Jörg Stolz.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.01.2005

Recht aufschlussreich findet Rezensent Christoph Uehlinger diesen Band des Religionssoziologen Roland J. Campiche, der die religiösen Vorstellungen der Schweizer unter die Lupe nimmt. Zunächst berichtet er über die Ergebnisse der letzten repräsentativen Befragung von 1989, um sich dann den der aktuellen 1999 durchgeführten Umfrage zu widmen, deren Auswertung nun vorliegt. Uehlinger hält fest, dass zahlreiche Daten wohlbekannte Trends, etwa die anhaltende Erosion der Kirchenbindung und die wachsende Pluralisierung der religiösen Landschaft in der Schweiz, bestätigen. Die Vermittlung widersprüchlicher Anforderungen der gesellschaftlichen Teilsysteme (Wirtschaft, Kultur, Politik, Religion) werde heute nicht mehr durch ein übergreifendes Sinnsystem (klassisch: die religiöse Tradition) und eine gesamtgesellschaftlich verbindliche Instanz geleistet, sondern dem Individuum anheim gestellt. Allerdings sei auch der spätmoderne Einzelmensch auf bestehende Angebote angewiesen, die durch Familie, Schule, Medien, Kirchen und andere Instanzen vermittelt würden. Religion bleibe damit primär ein soziales Phänomen. Uehlinger hebt hervor, dass Campiche und seine Mitarbeiter die nur begrenzt deutungskräftigen Schlagwörter "Säkularisierung", "Individualisierung" und "Privatisierung" durch das Konzept der "Dualisierung der Religion" ersetzen. Demnach stehe Religion in der spätmodernen Gesellschaft in einem Spannungsfeld, das durch zwei Pole charakterisiert sei: die "institutionelle Religion" einerseits und die "universale" andererseits. Letztere rechne etwa mit der Existenz einer höheren Macht, ohne sich auf ein bestimmtes Bekenntnis zu berufen. Getreulich referiert Uehlinger noch manch anderes Ergebnis, mit dem der Band aufwartet, um schließlich auf die nächste Erhebung 2009 zu verweisen, die in vielen Punkten mehr Eindeutigkeit bringen soll.

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